Figma hat geliefert – zumindest dort, wo es für die Wachstumsstory zählt. Die am Mittwochabend (18.02.2026) nachbörslich präsentierten Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025 haben die Erwartungen der Analysten beim Umsatz deutlich geschlagen. Mit einem Quartalsumsatz von 303,8 Millionen US-Dollar (ein Plus von 40 % gegenüber dem Vorjahr) übertraf Figma die Schätzungen von 293,1 Millionen Dollar. Für das Gesamtjahr knackte das Unternehmen mit 1,06 Milliarden Dollar erstmals die magische Umsatzmilliarde.
Doch die Bilanz ist ein zweischneidiges Schwert: Während die Kassen beim Umsatz klingeln, weitete sich der Verlust massiv aus. Im vierten Quartal stand ein Minus von 0,44 US-Dollar je Aktie zu Buche (Erwartet: +0,07 $). Der hohe Fehlbetrag resultiert vor allem aus massiven Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie hohen Steuerzahlungen im Zusammenhang mit der Weavy-Übernahme. Dennoch griffen Anleger beherzt zu: Die Aktie schoss nachbörslich um zeitweise fast 16 % auf 28,04 Dollar nach oben.
Die AI-Wette geht auf: Warum Figma plötzlich als „KI-Compounder“ gilt
Der Haupttreiber für den Kursrausch ist die Fantasie rund um Künstliche Intelligenz. Figma hat 2025 sein Portfolio radikal von vier auf acht Produkte erweitert und über 200 neue Features gelauncht. Besonders die Integration von KI-Agenten und Partnerschaften mit Anthropic und OpenAI scheinen Früchte zu tragen.
Analysten feiern Figma zunehmend als „AI-Compounder“: Die KI-Tools erhöhen die Produktivität der Designer, was wiederum den Umsatz pro Nutzer (ARPU) nach oben treibt. Ein Beleg für die Kundentreue ist die Net Dollar Retention Rate (NDR), die im vierten Quartal auf beeindruckende 136 % anstieg. Das bedeutet: Bestandskunden geben deutlich mehr Geld aus als im Vorjahr – ein klares Signal für die Unverzichtbarkeit des Tools im Design-Stack moderner Tech-Giganten.

Internationaler Siegeszug: Bengaluru und Co. befeuern das Wachstum
Figma ist längst kein reines Silicon-Valley-Phänomen mehr. Das internationale Geschäft wuchs im vierten Quartal um 45 % und steuert mittlerweile 54 % zum Gesamtumsatz bei. Mit der Eröffnung eines neuen Standorts im indischen Bengaluru unterstreicht CEO Dylan Field die globalen Ambitionen.
Auch die Kundenstruktur stabilisiert sich auf hohem Niveau: Die Zahl der Großkunden, die mehr als 100.000 Dollar jährlich ausgeben, stieg auf 1.405. Sogar 67 „Wale“ mit einem jährlichen Umsatz von über einer Million Dollar finden sich mittlerweile in den Büchern. Diese Stabilität bei den Enterprise-Kunden beruhigt die Anleger, die nach dem 50-prozentigen Kursrutsch seit dem IPO im Juli 2025 auf eine Bodenbildung gehofft hatten.
Ausblick 2026: Kurs auf Profitabilität oder weiteres Verbrennen von Cash?
Das Management blickt extrem optimistisch auf das laufende Jahr. Für das erste Quartal 2026 prognostiziert Figma einen Umsatz zwischen 315 und 317 Millionen Dollar, was deutlich über dem Analystenkonsens von 292 Millionen liegt. Im Gesamtjahr 2026 will das Unternehmen einen Umsatz von bis zu 1,374 Milliarden Dollar erreichen.
Besonders spannend wird die Umstellung des Geschäftsmodells im März 2026: Figma führt ein hybrides Modell aus festen Abo-Plätzen und verbrauchsbasierten KI-Credits ein. Dies könnte die Margen, die zuletzt unter den hohen KI-Entwicklungskosten litten, mittelfristig wieder stabilisieren. Die Non-GAAP-Betriebsmarge wird für 2026 bei etwa 8 % erwartet.


