18. Juli, 2024

Wirtschaft

Fed-Chef Powell: Inflationsrückgang, aber noch keine Entwarnung

Fed-Chef Powell: Inflationsrückgang, aber noch keine Entwarnung

Jerome Powell, der Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve, äußerte sich optimistisch über den Rückgang der Inflation, warnte jedoch vor einer verfrühten Entwarnung. Vor dem US-Kongress betonte Powell, dass er zwar Vertrauen in die sinkenden Preissteigerungen habe, aber noch nicht bereit sei zu sagen, dass diese nachhaltig auf das Ziel der Zentralbank von 2% zusteuern.

In seiner Anhörung betonte Powell, dass jüngste Preismessungen "moderaten Fortschritt" zeigen. Für mehr Zuversicht, dass die Inflation zum 2%-Ziel zurückkehrt, wären jedoch weitere positive Daten erforderlich. Er vermied es, konkrete Hinweise auf den Zeitpunkt zukünftiger Zinssenkungen zu geben, hob aber die Risiken sowohl eines zu schnellen als auch eines zu langsamen Handelns hervor.

Der Vorsitzende verdeutlichte, dass die Risiken nun ausgewogener seien als zuvor, und dass die Zentralbank weiterhin entschlossen sei, die Inflation zu senken. Gleichzeitig sei die Sorge über die Arbeitslosigkeit groß. Die Arbeit zur Eindämmung der Inflation sei noch nicht abgeschlossen und die aktuelle Situation am Arbeitsmarkt, die eine beträchtliche Abschwächung zeige, sei ebenfalls im Fokus.

Powells Aussagen deuten darauf hin, dass das Federal Open Market Committee bei seinem Treffen am 30. und 31. Juli wahrscheinlich die Zinsen nicht senken wird. Die Fed hat den Leitzins seit fast einem Jahr in einer Spanne von 5,25% bis 5,5% gehalten, dem höchsten Stand seit über zwei Jahrzehnten.

Ein weiteres wichtiges Thema war das Trimming der Fed-Bilanz. Powell erklärte dem Finanzdienstleistungsausschuss des Repräsentantenhauses, dass die Zentralbank noch weiter gehen müsse, obwohl bereits erhebliche Fortschritte erzielt worden seien. Bisher hat die Fed ihre Bestände um rund 1,7 Billionen Dollar reduziert, möchte aber weiterhin umfangreichere Offloads vornehmen. Der vorsichtige Ansatz soll verhindern, dass die Bestände zu klein werden, was zu einem Anstieg der kurzfristigen Kreditkosten führen könnte, wie es 2019 der Fall war.

Auch bei den Bankvorschriften wiederholte Powell seine Aussagen gegenüber dem Senatbankenausschuss. Er bestätigte, dass Regulierungsbehörden kurz vor einer Einigung stehen, großen Banken deutlich mehr Kapitalvorgaben aufzuerlegen. Ein überarbeiteter Vorschlag, der für die größten US-Banken eine Kapitalerhöhung um bis zu 19% vorsieht, befindet sich in Diskussionen und wird bald veröffentlicht. Die Gespräche mit anderen Bankenaufsichtsbehörden seien bislang produktiv und kollaborativ verlaufen.

Marktteilnehmer sind gespannt, ob nach dem Treffen im Juli Hinweise auf eine mögliche Zinssenkung im September gegeben werden. Der leichte Anstieg der Arbeitslosenquote hat den politischen Druck auf die Fed erhöht, die Zinssätze zu senken. Die bevorzugte Inflationsmessgröße der Fed stieg in den zwölf Monaten bis Mai um 2,6%, ein deutlicher Rückgang von 7,1% im Juni 2022. Obwohl die Arbeitslosigkeit mit 4,1% weiterhin niedrig ist, ist sie in den letzten drei Monaten gestiegen.