23. Juni, 2024

Wirtschaft

Fachkräftemangel bremst deutsche Verkehrsunternehmen

Fachkräftemangel bremst deutsche Verkehrsunternehmen

Eine repräsentative Umfrage des Branchenverbandes VDV hat ergeben, dass fast jedes zweite Verkehrsunternehmen in Deutschland gelegentlich seinen Betrieb wegen Personalengpässen vorübergehend einschränken muss. Von den 135 befragten Betrieben gaben knapp 43 Prozent an, im Jahr 2023 Fahrten aus personellen Gründen ausfallen lassen zu müssen. Besonders betroffen sind Bus-, Straßenbahn- und U-Bahn-Fahrer, die bundesweit fehlen.

Drei von vier Verkehrsunternehmen verzeichneten im Jahr 2023 einen steigenden Personalbedarf im Vergleich zum Vorjahr. Der VDV prognostiziert, dass sich der Fachkräftemangel noch zuspitzen wird, da der Altersdurchschnitt im Fahrdienst bei 51 Jahren liegt. Bis 2030 muss laut der Umfrage knapp ein Viertel der Fahrer altersbedingt ersetzt werden, was bedeutet, dass jährlich etwa 4000 bis 6000 Beschäftigte in Rente gehen. Aktuell fehlen bereits 20.000 Busfahrer.

Diese Entwicklungen stellen die Branche vor große Herausforderungen, insbesondere im Kontext der angestrebten Verkehrswende. Um mehr Menschen dazu zu bewegen, Bus und Bahn zu nutzen, müssen die Verkehrsunternehmen ihr Angebot ausweiten, wofür zusätzliches Personal erforderlich ist. Der Bedarf könnte bis 2030 um 20 Prozent steigen.

Trotz dieser düsteren Aussichten gibt es auch positive Signale. "Wir sehen ein gesteigertes Interesse der Bewerberinnen und Bewerbern, für Bus und Bahn zu arbeiten und insgesamt mehr Bewerbungen", sagte VDV-Präsident Ingo Wortmann. Laut der Umfrage stellten knapp 75 Prozent der Betriebe im Jahr 2023 mehr Beschäftigte ein als im Vorjahr.

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, planen die Verkehrsunternehmen, ihre Attraktivität zu erhöhen, beispielsweise durch flexible Arbeitszeitmodelle. Momentan arbeiten lediglich 12 Prozent der Beschäftigten in Teilzeit, und weniger als 20 Prozent sind weiblich. Auch die Rekrutierung von Personal im Ausland soll verstärkt in den Fokus rücken. "Hier gibt es noch viel Potenzial, das wir als Branche gemeinsam heben können", so Wortmann. Gesucht werden nicht nur Fahrer, sondern auch Ingenieure und IT-Spezialisten.