18. Juli, 2024

Wirtschaft

Fachkräftemangel bleibt trotz Konjunkturschwäche ein drängendes Problem

Fachkräftemangel bleibt trotz Konjunkturschwäche ein drängendes Problem

Die anhaltende Konjunkturschwäche in Deutschland bietet wenig Entlastung beim anhaltenden Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Laut dem neuen 'Fachkräftebarometer', das von der staatlichen Förderbank KfW gemeinsam mit dem Ifo-Institut erstellt wurde, sehen mehr als ein Drittel der Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit durch diesen Mangel beeinträchtigt. Die Quote liegt im Sommer 2024 bei 35 Prozent, nur einen Prozentpunkt weniger als zu Jahresbeginn. Vor zwei Jahren betrug sie noch 55 Prozent.

Besonders stark betroffen zeigt sich der Dienstleistungssektor, wo 42 Prozent der Unternehmen den Fachkräftemangel als hinderlich empfinden. In den Kanzleien von Rechtsanwälten, Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern ist die Situation besonders angespannt; hier berichten 71 Prozent der Befragten von negativen Auswirkungen. Das 'Fachkräftebarometer' befragt einmal pro Quartal 9.000 Unternehmen, davon etwa 7.500 Mittelständler.

In der Industrie fühlen sich nur noch 25 Prozent der Betriebe beeinträchtigt, was im Vergleich zu den Dienstleistern geringer, aber dennoch dreimal so hoch ist wie im langfristigen Durchschnitt. Im Handel liegt die Quote bei 28 Prozent, im Baugewerbe bei 27 Prozent. Kleinere Unternehmen sind im Durchschnitt weniger betroffen als größere Betriebe, und im Westen ist die Lage etwas entspannter als im Osten des Landes.

Mit dem erwarteten Aufschwung der Konjunktur wird auch der Fachkräftemangel wieder zunehmen, warnt die KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. 'In welchem Ausmaß, hängt davon ab, wie erfolgreich ein Gegensteuern gelingt', sagt sie und nennt Maßnahmen wie Anreize für eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren, die Anwerbung und Integration qualifizierter Zuwanderer, angepasste Qualifizierung und Umschulung von Arbeitnehmern sowie eine gesteigerte Arbeitsproduktivität durch stärkere Digitalisierung.