21. Juni, 2024

Wirtschaft

EZB im Fokus: Zinspolitik und Inflationsentwicklung sorgen für Spannung

EZB im Fokus: Zinspolitik und Inflationsentwicklung sorgen für Spannung

Die kommende Woche verspricht, für die Finanzmärkte von großer Bedeutung zu sein, da die Europäische Zentralbank (EZB) eine historische Entscheidung treffen könnte. Edgar Walk, Chefvolkswirt von Metzler Asset Management, hebt hervor, dass zum ersten Mal seit langer Zeit die EZB vor der US-Notenbank die Zinsen senken dürfte. Während diese Entscheidung bereits größtenteils eingepreist ist, ist der zukünftige Zinspfad noch unklar. Die Ausführungen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde werden daher besonders aufmerksam verfolgt, da sie unmittelbare Auswirkungen auf den Dax haben könnten.

Seit Mitte 2022 hat die EZB ihre Leitzinsen zur Bekämpfung der hohen Inflation erheblich angehoben. Angesichts eines leichten Rückgangs der Inflation wird nun für Donnerstag eine erste Zinssenkung erwartet, obwohl die Teuerungsrate im Euroraum im Mai erneut gestiegen ist. Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck, prognostiziert bei moderatem Rückgang des Inflationsdrucks ein bis zwei weitere Zinsschritte in 2024, warnt aber angesichts des wieder anziehenden Wachstums vor übermäßigen Lockerungen.

Mirko Hajek von Rheinische Portfolio Management GmbH zeigt sich zwiegespalten: Der Dax befindet sich zwar in einem Bullenmarkt, doch der mittelfristige Ausblick hängt stark von den vorgestellten EZB-Prognosen ab. „Hier besteht durchaus Enttäuschungspotenzial“, so Hajek.

Marc Gabriel von Oberbanscheidt & Cie bleibt skeptisch und verweist darauf, dass die jüngsten Konjunkturdaten auf eine bessere Wachstumsdynamik in den USA hindeuten. Anleger könnten daher nach weiteren Zinsschritten rufen, um das Wachstum in Europa zu fördern. Nicolas Pilz von Societas Vermögensverwaltung zieht jedoch in Erwägung, dass der Markt möglicherweise nur verhalten auf die Zinssenkung und die EZB-Aussagen reagiert. Gerade in Abhängigkeit aktueller Konjunkturdaten könnte der Dax vorerst in einer Seitwärtsbewegung verharren.

Die Entwicklung der Inflation, vor allem des Lohnwachstums, sollte laut Pilz genau beobachtet werden. Ökonomen betonen die immense Bedeutung steigender Löhne für die Inflation und damit für die geldpolitischen Entscheidungen. Achtung wird daher auch auf den am Freitag erscheinenden US-Arbeitsmarktbericht gelegt, der neben der Arbeitslosenquote und der Beschäftigung insbesondere das Lohnwachstum beleuchtet. Ulrich Kater von der Dekabank erwartet zwar eine leichte Abschwächung beim Beschäftigungsaufbau in den USA, hält aber die Erwartungen an eine Leitzinssenkung der Fed im zweiten Halbjahr aufrecht. Eine Überraschung hier könnte die Spannungen an den Finanzmärkten verschärfen.