24. Juni, 2024

Wirtschaft

EZB-Chefvolkswirt prognostiziert strikte Geldpolitik für 2023

EZB-Chefvolkswirt prognostiziert strikte Geldpolitik für 2023

Die Europäische Zentralbank (EZB) steht vor einer Zeit der Besonnenheit, trotz anstehender Zinserleichterungen. Dies betonte EZB-Chefökonom Philip Lane in einem kürzlich geführten Gespräch mit der 'Financial Times'. Lanes Augenmerk liegt auf einer konsequenten, stringenten Geldpolitik über das gesamte Jahr hinweg, um die Wirtschaftsaktivitäten effizient zu steuern.

Lane merkte an, dass selbst wenn Leitzinssenkungen auf der Tagesordnung stehen, diese zuerst im restriktiven Bereich realisiert werden. Konkret bedeutet diese restriktive Haltung, die Leitzinsen auf einem Niveau zu halten, das über dem sogenannten natürlichen Zins liegt. Dieses neutrale Zinsniveau ist theoretischer Natur und soll eine weder gebremste noch forcierte Wirtschaftslage bewirken; die tatsächliche Höhe ist dabei spekulativ.

Die inflationäre Entwicklung gibt jedoch Anlass zur Hoffnung: Sollte die Inflation, wie von der EZB verfolgt, mittelfristig auf ihren Zielkorridor von zwei Prozent zurückkehren, könnte ab dem nächsten Jahr ein anderer geldpolitischer Kurs eingeläutet werden. Aktuell setzt die EZB ein Zeichen der Stabilität mit höheren Leitzinsen, um der zuvor stark gestiegenen Inflation entgegenzuwirken. Mit tendenziell rückläufiger Teuerung in den letzten Monaten ist nun der Weg für Zinserleichterungen geebnet.

Beobachter erwarten bereits für die anstehende Junisitzung der EZB eine Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte. Ein solcher Schritt wäre die erste Zinsanpassung nach einer Phase konsequenter Zinserhöhungen seit Mitte 2022.