22. Februar, 2024

Wirtschaft

EZB-Bankenaufsicht rät zu Vorsicht und Kapitalausbau angesichts zunehmender Risiken

EZB-Bankenaufsicht rät zu Vorsicht und Kapitalausbau angesichts zunehmender Risiken

In einer Zeit von Unsicherheit und wirtschaftlichen Veränderungen appelliert die Europäische Zentralbank an die Geldinstitute des Euroraums, Wachsamkeit walten zu lassen und ihre Kapitalbasis zu stärken. Claudia Buch, die jüngst den Vorsitz der EZB-Bankenaufsicht übernommen hat, betonte in einer Rede in Brüssel, dass Banken gegenwärtig solider und widerstandsfähiger seien als beim Start der Bankenunion vor einem Jahrzehnt, warnte jedoch vor Übermut.

Das gegenwärtige Klima erfordere besondere Aufmerksamkeit, vor allem angesichts des Strukturwandels in der Realwirtschaft, der Digitalisierung und neuer Risiken. Die intensivierte Konkurrenz und sich änderndes Kundenverhalten könnten bestehende Bankenmodelle auf die Probe stellen. Buch, die zuvor als Vizepräsidentin der Deutschen Bundesbank wirkte, hob hervor, dass die jüngsten Zinserhöhungen den Instituten zu höheren Gewinnen verholfen hätten und eine Gelegenheit böten, die eigene Widerstandsfähigkeit zu stärken, etwa durch den Ausbau von Kapitalpolstern und einer robusten IT-Infrastruktur.

Sorgen rufen indes die sogenannten Non-performing loans (NPLs), also ausfallgefährdete Kredite hervor, deren Qualität sich zu verschlechtern scheint. Nach Jahren des Rückgangs ist seit 2023 wieder ein Anstieg bei NPLs zu verzeichnen, auch wenn auf einem niedrigen Niveau. Konzentrierte sich die Aufsicht bisher vorrangig auf anfällige Sektoren wie den gewerblichen Immobilienmarkt, so zeichnet sich nun ein verschärfter Fokus auf allgemeine Kreditrisiken ab.

Die EZB-Bankenaufsicht, ins Leben gerufen nach der Banken- und Finanzkrise von 2014, überwacht mittlerweile 113 Banken im Euroraum direkt, die zusammengenommen über 80 Prozent des Marktes abdecken. Im Zuge dieser Überwachung soll durch einheitliche Regeln die Stabilität des Finanzsystems im Euroraum gesichert werden.