21. Juni, 2024

Märkte

Europas Aktienmärkte unter Druck: Dämpfer von EZB und US-Daten

Europas Aktienmärkte unter Druck: Dämpfer von EZB und US-Daten

Europas Aktienmärkte erlebten am Dienstag einen Rückschlag. Trotz eher unspektakulärer Entwicklungen an den US-Börsen hielten sich die wichtigsten Indizes knapp oberhalb ihrer Tagestiefs. Der EuroStoxx 50 sank um 1,00 Prozent auf 4953,37 Punkte, während der französische Cac 40 um 0,75 Prozent auf 7937,90 Zähler fiel. Der britische FTSE 100 schloss mit einem Minus von 0,35 Prozent bei 8233,46 Punkten.

Die bevorstehenden Zinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und aktuelle US-Arbeitsmarktdaten sorgten für vorsichtige Anleger. Laut Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege beim Broker Robomarkets, könnte die EZB-Sitzung eine Möglichkeit bieten, nach einer erwarteten Zinssenkung Gewinne mitzunehmen. Allerdings bleibt ungewiss, ob weitere Zinsschritte folgen werden. Zurückhaltung von EZB-Präsidentin Christine Lagarde könnte somit Enttäuschungen auslösen.

Aktuelle Wirtschaftsdaten aus den USA trugen ebenfalls nicht zur Beruhigung bei. Die Auftragseingänge der US-Industrie stiegen im April zwar etwas stärker als prognostiziert, doch die Zahlen für den Vormonat wurden deutlich nach unten korrigiert. Auch die Bestellung langlebiger Güter verbuchten im April ein moderateres Wachstum als ursprünglich ermittelt. Weitere Daten zu offenen Stellen, Kündigungen und Entlassungen wurden veröffentlicht. Der am Freitag erwartete Arbeitsmarktbericht der US-Regierung für Mai wird bedeutsame Impulse für die Geldpolitik der amerikanischen Notenbank Fed liefern.

Optimismus war bei den Öl- und Gaskonzernen Fehlanzeige. Die Aktien verzeichneten die größten Verluste in der europäischen Branchenübersicht, belastet durch fallende Ölpreise. Diese erreichten die niedrigsten Stände seit Februar, beeinflusst durch Sorgen vor einem Überangebot und einer Entspannung geopolitischer Spannungen. Ein verstärkter Druck der G7-Staaten auf Israel und die Hamas zur Beendigung des Gaza-Konflikts trug ebenfalls bei.

Andere konjunkturabhängige Sektoren wie Bergbau, Bauwirtschaft und Industriegüterhersteller registrierten ebenfalls Abschläge. Die US-Konjunktur sendete am Montag erneut Warnhinweise: Ein deutlicher Rückgang des Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe trübte die Stimmung weiter.

Defensive Branchen wie Pharma, Versorger und Nahrungsmittelhersteller konnten hingegen Gewinne verbuchen. Auffällig blieben jedoch die Aktien von British American Tobacco (BAT), die trotz bestätigter Jahresprognose um 0,5 Prozent nachgaben. Analysten riechen in einem schwachen ersten Halbjahr weitere Probleme.

Im Cac 40 setzten die Anteile des IT-Beratungsunternehmens Atos ihre Abwärtsbewegung fort und markierten mit einem Rückgang von 14,4 Prozent ein neues Rekordtief. Auch überarbeitete Kaufofferten zweier Interessentenkonsortien änderten nichts an diesem Negativtrend.

Die Papiere von DocMorris verloren 7,2 Prozent auf 62,25 Franken. Die UBS hatte das Kursziel für den Medikamentenversender von 31,90 auf 29,00 Franken gesenkt und die Einstufung auf "Sell" belassen. Analyst Sebastian Vogel wies auf geringere Erwartungen an den Markt für nicht verschreibungspflichtige Medikamente hin.