18. Juli, 2024

Märkte

Europäischer Fahrradmarkt stottert: Produktionszahlen im Sinkflug, Hoffnungen auf 2024

Europäischer Fahrradmarkt stottert: Produktionszahlen im Sinkflug, Hoffnungen auf 2024

Die deutsche Fahrradbranche hat einen herausfordernden Jahresauftakt hinter sich. Der Absatz von Fahrrädern in Deutschland verzeichnete in den ersten vier Monaten einen Rückgang von rund zehn Prozent und erreichte damit nur noch 1,45 Millionen Stück. Dies offenbart eine aktuelle Auswertung des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) zur Eröffnung der Leitmesse Eurobike in Frankfurt. Besonders betroffen waren herkömmliche Fahrräder, deren Verkauf mit 650.000 Einheiten fast 20 Prozent unter dem Vergleichszeitraum des Vorjahres lag. Im Gegensatz dazu blieben die wirtschaftlich bedeutenderen E-Bikes mit 800.000 verkauften Einheiten auf einem konstanten Niveau.

Auch die Produktionszahlen spiegeln die rückläufige Tendenz wider. Die Hersteller reduzierten ihre Produktion auf 970.000 Fahrräder, was einem Rückgang von fast 18 Prozent entspricht. Dieser drastische Rückgang ist unter anderem auf die vollen Lagerbestände aus den Vorjahren zurückzuführen. Trotz dieser Herausforderungen sieht ZIV-Geschäftsführer Burkhard Stork optimistisch in die Zukunft und prognostiziert für 2024 eine Normalisierung mit einem möglichen Umsatz von 4,3 Millionen Fahrrädern. Er weist auf eine nach wie vor gesunde Nachfrage und großes Wachstumspotenzial hin.

Die Eurobike-Messe, die mit rund 1800 Ausstellern aufwartet, zeigt zukunftsweisende Innovationen im E-Bike- und Lastenradsegment. Die Hersteller setzen vermehrt auf leichtere Modelle, die eine breitere Anwendung ermöglichen sollen. Die Messe ist zunächst den Fachbesuchern vorbehalten, öffnet aber am Wochenende auch als Festival für das breite Publikum.

Zusätzliche Dynamik könnte der Markt durch die steigende Popularität von Diensträdern erfahren. Laut einer Deloitte-Studie ist das Potential des Dienstradleasings noch lange nicht ausgeschöpft. Erst 37 Prozent der Beschäftigten haben die Möglichkeit, über ihren Arbeitgeber ein Fahrrad zu leasen, wobei nur etwa 10 Prozent diese Option bisher wahrgenommen haben. Studienautor Kim Lachmann sieht hier noch erhebliches Wachstumspotenzial, da rund 90 Prozent der Arbeitnehmer in den teilnehmenden Unternehmen bisher ohne Leasingvertrag sind.

Der Markt für Leasinganbieter zeigt sich robust, mit einem Umsatzplus von 3,2 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Die Anzahl der geleasten Räder stieg auf 790.000, ein signifikantes Wachstum gegenüber den 680.000 im Vorjahr. Besonders E-Bikes dominieren diesen Markt, deren Leasing-Durchschnittspreis bei 3750 Euro lag. Ein Großteil der Leasinggeschäfte wird über den lokalen Fachhandel abgewickelt, der somit weiterhin eine zentrale Rolle im Vertrieb einnimmt.