18. Juli, 2024

Wirtschaft

Europäische Reallöhne im Sinkflug: WSI-Bericht enthüllt Kaufkraftverlust

Europäische Reallöhne im Sinkflug: WSI-Bericht enthüllt Kaufkraftverlust

Die Reallöhne der Beschäftigten in der Europäischen Union sind im Jahr 2023 weiter gesunken. Trotz stärkerer Lohnzuwächse und sinkender Inflation sank die Kaufkraft im Durchschnitt um 0,6 Prozent, berichtet das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Auch in Deutschland büßten die Reallöhne um 0,3 Prozent ein. Grund hierfür seien Preissteigerungen, die durch Lohnerhöhungen nicht vollständig ausgeglichen werden konnten.

Im Vergleich zu 2022 hat sich der Kaufkraftverlust allerdings deutlich verlangsamt. Damals führten hohe Inflationsraten zu einem realen Lohnrückgang von 4,2 Prozent in der EU und sogar 4,4 Prozent in Deutschland. Für 2023 zeichnet sich zwar in fast allen EU-Ländern wieder ein Plus bei den Reallöhnen ab, was jedoch die Verluste der vergangenen Jahre nicht wettmachen kann. Preisbereinigt liegen die Tariflöhne in Deutschland inzwischen 0,8 Prozent unter dem Niveau von 2015.

Insgesamt gingen die Reallöhne 2023 in 12 der 27 EU-Länder zurück. Besonders hohe Kaufkraftverluste verzeichneten Tschechien (minus 4,4 Prozent), Malta (minus 3,8 Prozent) und Italien (minus 3,3 Prozent). Andererseits stiegen die Reallöhne in bestimmten Ländern, besonders im Niedriglohnland Rumänien (plus 7,7 Prozent) und in Belgien (plus 5,3 Prozent), wo Löhne per Gesetz automatisch an die Inflation gekoppelt sind.

Laut den WSI-Forschern Thilo Janssen und Malte Lübke ist die Krise aus Sicht der Arbeitnehmer noch nicht überwunden. Sie mussten den Großteil der realen Einkommenseinbußen infolge des Energiepreisschocks nach dem russischen Überfall auf die Ukraine tragen. Bei der Lohnentwicklung bestehe weiterhin Aufholbedarf, da die Verbraucherpreise nach dem Ende der Inflationswelle zwar langsamer, aber immer noch stetig stiegen.