24. Mai, 2024

Wirtschaft

Europäische Firmen weniger zuversichtlich über China-Geschäfte

Europäische Firmen weniger zuversichtlich über China-Geschäfte

Die Zuversicht europäischer Unternehmen gegenüber ihren Geschäftsaussichten in China hat einen historischen Tiefpunkt erreicht. Laut der neuesten Geschäftsklimaumfrage der EU-Handelskammer in Peking sind 23 Prozent der Unternehmen skeptisch hinsichtlich ihres Wachstumspotenzials innerhalb der nächsten zwei Jahre - ein bisher unerreichter Wert. Im Vergleich zum Vorjahr, als lediglich 9 Prozent eine pessimistische Haltung einnahmen, zeigt dies einen bemerkenswerten Anstieg der Verunsicherung. Zudem hat sich der Anteil der optimistisch eingestellten Firmen von 55 Prozent auf 32 Prozent verringert, was den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebungen markiert.

Diese Entwicklungen sind das Resultat einer "wachsenden Unsicherheit", welche europäische Unternehmen in China im vergangenen Jahr erfuhren. Obwohl die wirtschaftliche Öffnung Chinas nach der Pandemie zu Beginn noch für eine optimistische Stimmung sorgte, wurden die Hoffnungen durch fundamentale strukturelle Probleme, wie sinkende Binnennachfrage, hohe Verschuldung lokaler Regierungen und Schwierigkeiten im Immobilienbereich, rasch eingedämmt. Zusätzlich führten uneinheitliche Signale der chinesischen Regierung zu einem schwankenden Vertrauen seitens der europäischen Geschäftswelt.

Die Unternehmen identifizieren vor allem die Abschwächung der chinesischen Wirtschaft und die generelle weltweite Konjunkturentwicklung als primäre Hürden. Auch der Konflikte zwischen den USA und China sowie weitere geopolitische Spannungen werden als beeinträchtigende Faktoren gesehen, ebenso wie der intensive Wettbewerb auf dem lokalen Markt mit chinesischen Unternehmen.

Zu den operativen Herausforderungen zählen immer noch regulatorische Anforderungen und eine unberechenbare Gesetzgebung. Nur 16 Prozent der Befragten glauben an eine Erleichterung dieser Umstände, was ebenfalls den geringsten erfassten Wert darstellt. Folglich beeinflusst dies auch die Investitionspläne der Firmen: Nur noch 15 Prozent bzw. 12 Prozent sehen China als vorrangiges Ziel für gegenwärtige und künftige Investitionen an.

Die Verlagerung von geplanten Investitionen auf alternative Märkte nehme zu, da diese als berechenbarer und transparenter bewertet werden. Darüber hinaus beabsichtigen lediglich 42 Prozent eine Ausweitung ihrer Aktivitäten in China im kommenden Jahr, was einen weiteren Negativrekord markiert und den Trend zur Reduzierung der Reinvestition von Gewinnen in China unterstreicht.

Ein steigendes Problem stellen Überkapazitäten dar, von denen 36 Prozent der Befragten in ihrer Branche berichten. Insbesondere das Baugewerbe und die Automobilindustrie melden mit 69 bzw. 62 Prozent hohe Überkapazitäten. Als Gründe werden übermäßige Investitionen und eine zu geringe Nachfrage sowohl im Inland als auch auf globaler Ebene angeführt.

Die jüngsten Aussagen von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigen, dass Europa die wirtschaftlichen Praktiken Chinas, insbesondere die hohen Subventionen und die daraus resultierende Überproduktion, kritisch betrachtet. Vor einem Treffen mit dem chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping in Paris wurde deutlich, dass die EU eine härtere Linie einnehmen und Subventionen sowie Handelspolitiken nicht länger tolerieren wird. Dies könne zukünftige Handelsbeziehungen entscheidend prägen.