Kaum Schwung am Devisenmarkt
Der Euro notiert seit Tagen in einer engen Spanne und zeigt gegenüber dem US-Dollar kaum Bewegung. Am Donnerstagmorgen lag der Kurs bei 1,1640 Dollar – nahezu identisch zum Vortag.
Während Aktienmärkte nervös auf jedes Konjunktursignal reagieren, bleibt das wichtigste Währungspaar der Welt erstaunlich ruhig.
Zinsen als stiller Taktgeber
Normalerweise hängt der Euro-Dollar-Kurs stark an den Zinserwartungen in Washington und Frankfurt. Doch aktuell haben sich die Märkte bereits festgelegt:
Mit fast 90 Prozent Wahrscheinlichkeit rechnen Investoren damit, dass die US-Notenbank im September die Zinsen senken wird. Jerome Powells jüngste Andeutungen über eine Abkühlung des Arbeitsmarktes haben diese Erwartung noch zementiert.
Für den Euro bedeutet das paradoxerweise Stabilität. Denn während die Fed mit Zinssenkungen liebäugelt, haben die europäischen Währungshüter in Frankfurt wenig Spielraum, ihre Zinsen kurzfristig noch deutlicher zu senken. Damit bleiben die relativen Zinsvorteile zwischen beiden Währungsräumen weitgehend unverändert – und der Kurs verharrt.

Der Arbeitsmarkt als Zünglein an der Waage
Dennoch blicken Händler gespannt auf die wöchentlichen Zahlen zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe in den USA. Zuletzt hatten sie überraschend stark zugelegt. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte das die Spekulationen auf aggressivere Zinssenkungen noch verstärken. Erst dann dürfte auch der Dollar spürbar nachgeben und dem Euro Auftrieb verschaffen.
Umgekehrt gilt: Bleiben die Daten stabil, sehen Investoren keinen Grund, ihre Positionen neu zu sortieren. Das erklärt, warum sich viele Marktteilnehmer derzeit zurückhalten und nur geringe Schwankungen wagen.
Ein Markt zwischen Ruhe und Risiko
Der Devisenmarkt hat damit ein klassisches Dilemma: Auf der einen Seite warten Investoren auf harte Daten, die ein klares Signal liefern. Auf der anderen Seite sorgt die hohe Erwartungssicherheit dafür, dass selbst schlechte Nachrichten kaum noch überraschen.
Bis die nächste Zinssitzung der Fed näherrückt, dürfte der Euro also weiter in seiner engen Spanne verharren.
Doch die Ruhe trügt. Schon eine kleine Abweichung bei den US-Arbeitsmarktdaten könnte genügen, um die Märkte in Bewegung zu bringen. Für Händler heißt das: Geduld – und die Hand am Abzug.
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