18. Juli, 2024

Politik

Erneute Kämpfe in Gaza belasten Verhandlungen - die Lage bleibt angespannt

Erneute Kämpfe in Gaza belasten Verhandlungen - die Lage bleibt angespannt

Die jüngsten intensiven Gefechte zwischen der israelischen Armee und der islamistischen Hamas im nördlichen Gazastreifen stellen die erst kürzlich wiederaufgenommenen Verhandlungen über die Freilassung von Geiseln und eine mögliche Waffenruhe erheblich infrage. Israels Streitkräfte setzen sowohl am Boden als auch aus der Luft ihre Operationen gegen die Kämpfer der Hamas in der verwüsteten Stadt Gaza fort. In den vergangenen Wochen kehrte die israelische Armee mehrfach in Gebiete zurück, aus denen sie sich zuvor wieder zurückgezogen hatte. Dies deutet auf einen potenziellen „langwierigen Zermürbungskrieg“ hin, wie das „Wall Street Journal“ berichtet.

Die Hamas sieht die Gefahr, dass die Verhandlungen in Kairo über ein Geiselabkommen aufgrund der fortgesetzten israelischen Militäraktionen scheitern könnten. Ismail Hanija, der Auslandschef der Hamas, warnte die katarischen und ägyptischen Vermittler entsprechend. Währenddessen bleiben die USA optimistisch; ihr Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, betonte, dass noch Differenzen bestünden, man jedoch an eine Chance für eine Einigung glaube. CIA-Direktor Bill Burns wird weiter nach Doha reisen, um sich mit seinen Verhandlungspartnern aus Katar, Ägypten und Israel zu treffen.

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu hat klargestellt, dass ein Abkommen Israel das Recht zur Fortsetzung der Kämpfe einräumen müsse, bis alle Kriegsziele erreicht seien. Diese Position stößt bei der Hamas auf deutliche Kritik, die Netanjahu vorwirft, den Verhandlungsprozess zu behindern. Kirby und andere Vermittler arbeiten daran, Formulierungen zu finden, um die Differenzen in den strittigen Punkten zu überbrücken.

Währenddessen setzten israelische Luftstreitkräfte ihre Angriffe im mittleren Gazastreifen fort. Ziel der Angriffe waren nach Angaben des Militärs Terroristen, die sich in einem Schulgebäude verschanzten. Auch ein ehemaliges Schulgelände des UN-Flüchtlingshilfswerks UNRWA im Gebiet Nuseirat wurde erneut angegriffen. Trotz Bemühungen, zivile Opfer zu minimieren, wurden laut Hamas 16 Personen getötet. Diese Zahlen konnten jedoch nicht unabhängig überprüft werden.

Israelische Truppen drangen zudem in die Zentrale des UNRWA in Gaza ein, um Anti-Terror-Einsätze durchzuführen. Dabei forderten sie Zivilisten auf, das Gebiet zu verlassen. Die Kämpfe dauern an, und es wurde von mindestens 15 Toten berichtet.

Die Lage in der Stadt Gaza ist besonders dramatisch: Laut einer Analyse von Satellitendaten sind etwa 75 Prozent der Gebäude dort beschädigt oder zerstört. Israels Generalstabschef Herzi Halevi hatte bereits vor Wochen vor einer „Sisyphusarbeit“ gewarnt und die fehlende politische Strategie kritisiert.

Premierminister Netanjahu signalisierte jedoch, dass die letzten größeren Kampfverbände der Hamas bald zerschlagen sein könnten. Dies könnte das Ende der großangelegten Bodenoffensive bedeuten, nicht jedoch das Ende des Militäreinsatzes. Israels Truppen sollen auch nach intensiven Kämpfen an strategischen Stellen im Gazastreifen verbleiben, um weitere militärische Ziele zu sichern.