18. Juli, 2024

Märkte

Erleichterung an Europas Finanzmärkten nach ersten Parlamentswahlen in Frankreich

Erleichterung an Europas Finanzmärkten nach ersten Parlamentswahlen in Frankreich

Nach der ersten Runde der Parlamentswahlen in Frankreich zeigte sich am Montag eine leichte Erleichterung an den Finanzmärkten Europas. Insbesondere in Paris reagierten die Börsen positiv mit steigenden Kursen und einem stärkeren Euro.

Obwohl die rechtsnationale Partei Rassemblement National (RN) unter Führung von Marine Le Pen erwartungsgemäß die meisten Stimmen erhielt, könnte es eng werden, um eine absolute Mehrheit im Parlament zu erreichen. Der Vorsprung des RN fiel geringer aus als prognostiziert. Präsident Emmanuel Macron und das linke Lager planen nun, eine vereinte Front bei den Stichwahlen am kommenden Sonntag zu bilden, um einen Sieg des RN zu verhindern. Vertreter sowohl des Linksbündnisses als auch von Macrons Partei kündigten an, in Wahlkreisen, in denen sie auf dem dritten Platz gelandet seien, zugunsten jener Kandidaten zurückzutreten, die den RN schlagen könnten.

Der Chefökonom Holger Schmieding von der Berenberg Bank merkt an, dass trotz des bisherigen Wahlerfolgs des RN die endgültigen Ergebnisse und der Einfluss des RN auf die französische Innenpolitik weiterhin unklar bleiben. Die Dekabank betont, dass das Wahlergebnis von den Märkten mit einer gewissen Erleichterung aufgenommen wurde, warnt jedoch vor möglichen schwierigen Koalitionsverhandlungen nach dem zweiten Wahlgang. Erfreulicherweise sind weder die Abschaffung des Euro noch ein Austritt aus der Europäischen Union (EU) Teil der Programme der größeren Parteien. Allerdings fehlt auch eine klare Unterstützung für eine Haushaltskonsolidierung; eher gibt es eine breite politische Unterstützung für weitere schuldenfinanzierte EU-Fonds.

Der französische Aktienmarkt verzeichnete nach den jüngsten Verlusten einen Erholungstrend. Der Leitindex Cac 40 stieg am Vormittag um 1,6 Prozent auf 7596,81 Punkte und übertraf damit den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 mit einem Plus von 0,9 Prozent sowie den deutschen Dax, der um 0,4 Prozent zulegte. Der Cac 40 war zuletzt stark unter Druck geraten aufgrund der Sorge vor einem möglichen Erstarken der europakritischen Rechten und eines möglichen politischen Patts. Am vergangenen Freitag erreichte der Index ein Tief seit Januar und war seit der Ankündigung vorzeitiger Neuwahlen durch Macron um rund 6 Prozent gefallen.

Auch am Devisenmarkt zeichnete sich Entspannung ab. Der Euro legte auf 1,0771 US-Dollar zu, den höchsten Stand seit Mitte Juni. In der Woche zuvor hatte der Eurokurs noch deutlich unter der Marke von 1,07 Dollar gelegen, was auf die große Unsicherheit vor der Wahl zurückzuführen war.

Mit Blick auf Staatsanleihen bemerkte die Dekabank, dass kurzfristig eine technisch getriebene Beruhigung bei den Risikoaufschlägen französischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen möglich sei. Diese sei jedoch vermutlich nicht von Dauer. Französische Anleihen würden im Vergleich zu Bunds dauerhaft höhere Renditen aufweisen. Zu Wochenbeginn fiel der Abstand zwischen der Rendite zehnjähriger französischer und deutscher Staatsanleihen zwischenzeitlich auf den niedrigsten Stand seit zwei Wochen, bewegt sich aber weiterhin auf dem Niveau von 2012. Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen betrug zuletzt 2,57 Prozent, während entsprechende französische Papiere mit 3,33 Prozent rentierten.