22. April, 2024

Wirtschaft

Entspannung am Horizont: Eurozone-Inflation kühlt weiter ab

Entspannung am Horizont: Eurozone-Inflation kühlt weiter ab

Eine erfreuliche Nachricht für die Wirtschaft der Eurozone: Die Inflation hat sich im März überraschend fortgesetzt abgekühlt und damit Anzeichen für eine mögliche Entspannung der Teuerungswelle geboten. Laut ersten Schätzungen von Eurostat betrug der Anstieg der Verbraucherpreise 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat – ein Rückgang, der von Ökonomen lediglich mit einer Inflationsrate von 2,5 Prozent antizipiert wurde. Noch vor einem Jahr erreichte die Inflation eine Höhe von 6,9 Prozent und lag damit weit über dem aktuellen Niveau.

Dies markiert den dritten Monat in Folge, in dem die Inflation in der Eurozone zurückgeht. Im Februar waren es 2,6 Prozent, im Januar noch 2,8 Prozent. Zum vorherigen Monat registrierte man im März ein Preiswachstum von 0,8 Prozent, das knapp unter den Prognosen von 0,9 Prozent lag. Die Preisentwicklung schwenkt damit stärker auf den Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) ein, welche eine Inflationsrate von zwei Prozent mittelfristig anpeilt. Nachdem die Teuerungsrate im Herbst 2022 einen historischen Höchstwert von 10,7 Prozent erreicht hatte, bewirkt die aggressive Zinspolitik der EZB scheinbar einen Dämpfungseffekt auf die Inflation.

Die sogenannte Kerninflation, die volatile Elemente wie Energie-, Nahrungs- und Genussmittel ausschließt, ließ ebenfalls nach und sank von 3,1 Prozent im Vormonat auf 2,9 Prozent, womit sie nur knapp unter den erwarteten 3,0 Prozent blieb. Ebenso nahm der Preisanstieg bei Lebensmitteln und Genussmitteln ab, von zuvor 3,9 Prozent auf nun 2,7 Prozent im Jahresvergleich. Energiepreise zeigten sich weiterhin rückläufig gegenüber dem Vorjahresmonat, obwohl der Abwärtstrend sich von -3,7 Prozent auf -1,8 Prozent verlangsamte.

Innerhalb der Eurozone zeigte Kroatien mit 4,9 Prozent Inflation den höchsten Wert, während Lettland mit 0,3 Prozent den niedrigsten verzeichnete. Für Deutschland wurde eine Rate von 2,3 Prozent nach dem harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gemessen.

Die Datenlage deutet laut Analyseexperten von Capital Economics darauf hin, dass eine Zinssenkung im Juni wesentlich wahrscheinlicher geworden ist, obwohl die EZB in der Sitzung in der nächsten Woche voraussichtlich noch keine Anpassungen vornehmen wird. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte bereits Signale in Richtung einer möglichen Zinssenkung gesendet.

Trotz der gegenwärtigen Entspannungen warnt Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, vor einem zu optimistischen Blick in die Zukunft. Er betont, dass steigende Löhne im Dienstleistungsbereich und anwachsende Rohstoffkosten mögliche Preisanstiege provozieren könnten. Besonderes Augenmerk legt Gitzel auf den Kakaopreis, der sich binnen eines Halbjahres verdreifacht hat und somit eine unaufdringliche Mahnung sein sollte.

Nach der Bekanntgabe der Inflationsdaten verloren der Euro und deutsche Bundesanleihen vorübergehend an Wert, wobei die Kursausschläge vergleichsweise gering ausfielen. Die vorherige Veröffentlichung der Inflationsdaten durch die vier größten Volkswirtschaften der Eurozone hatte den Markt bereits vorinformiert.