Die Elektromobilität steckt nicht einfach in einer Delle, sie erlebt eine Vollbremsung mit quietschenden Reifen. LG Energy Solution (LGES), einer der weltweit wichtigsten Lieferanten für Tesla und General Motors, liefert nun den ungeschönten Beweis für den Ernst der Lage.
Der südkoreanische Konzern musste am Freitag eingestehen, dass das vierte Quartal in tiefroten Zahlen endet. Die Hoffnung auf eine sanfte Landung hat sich zerschlagen.
Der operative Verlust übertrifft die schlimmsten Befürchtungen der Analysten
Die nackten Zahlen sind alarmierend. LGES rechnet mit einem operativen Verlust von 122 Milliarden Won, was umgerechnet etwa 71,8 Millionen Euro entspricht. Das klingt zunächst handhabbar, doch der Kontext ist verheerend.

Marktbeobachter waren zwar skeptisch, hatten aber im Schnitt nur mit einem Minus von 77 Milliarden Won gerechnet. Das Unternehmen verfehlt die Erwartungen damit massiv. Die Diskrepanz zeigt, wie schnell sich die Marktkonditionen für Batteriehersteller derzeit verschlechtern.
Die schwache Nachfrage der Elektroauto-Hersteller schlägt jetzt voll auf die Zulieferkette durch. Wenn die Bänder bei den Autobauern langsamer laufen oder stillstehen, bleiben die Batterieproduzenten auf ihren gewaltigen Fixkosten sitzen.
Ohne amerikanische Steuergeschenke wäre die Bilanz eine absolute Katastrophe
Eine detaillierte Analyse der Prognose offenbart eine noch viel gefährlichere Wahrheit. In den gemeldeten Zahlen sind bereits Steuergutschriften aus dem US-amerikanischen Inflation Reduction Act (IRA) enthalten.
Rechnet man diese staatlichen Subventionen heraus, offenbart sich das wahre Ausmaß der operativen Schwäche. Ohne die Gelder aus Washington hätte LGES einen Verlust von gigantischen 455 Milliarden Won verbuchen müssen.
Das Geschäftsmodell hängt damit aktuell am Tropf der US-Steuerpolitik. Der operative Kernbetrieb verbrennt Geld in einem Tempo, das ohne externe Stützung kaum tragbar wäre.

Die radikale Kündigungswelle der Autohersteller vernichtet die Auftragsbücher
Die Gründe für den Einbruch sind nicht abstrakt, sondern manifestieren sich in stornierten Verträgen. Erst im vergangenen Monat musste LGES einen schweren Schlag hinnehmen, als ein sicher geglaubter Deal platzte.
Ein Batterievertrag mit Ford im Wert von 9,6 Billionen Won wurde annulliert. Der US-Autobauer hatte seine Prognosen für den Elektroauto-Markt drastisch nach unten korrigiert und zog die Reißleine.
Solche Stornierungen sind Gift für die langfristige Investitionsplanung von Batterieherstellern. Fabriken, die für Milliarden gebaut wurden, drohen nun, nicht ausgelastet zu werden.
Donald Trumps Politikwechsel wird zum unkalkulierbaren Existenzrisiko
Die Abhängigkeit von den IRA-Gutschriften macht LGES extrem verwundbar gegenüber politischen Verschiebungen in den USA. Mit der Präsidentschaft von Donald Trump stehen genau diese Förderungen für grüne Energie auf der Kippe.
Sollte die neue US-Administration den Inflation Reduction Act beschneiden oder streichen, bricht dem südkoreanischen Konzern die finanzielle Lebensversicherung weg. Die Diskrepanz zwischen dem gemeldeten Verlust und dem bereinigten Verlust ohne Subventionen zeigt, dass LGES einen Wegfall der US-Gelder operativ derzeit nicht kompensieren könnte.
Die endgültigen Ergebnisse am 29. Januar werden zeigen, ob das Management eine Strategie hat, um in diesem toxischen Umfeld zu überleben.



