03. Februar, 2026

Quartalszahlen

Disneys Park-Imperium muss das blutende Filmgeschäft quersubventionieren

Walt Disneys Bilanz ist ein Alarmsignal hinter glänzenden Fassaden. Während Parks und Kreuzfahrtschiffe zehn Milliarden Dollar einsammeln, implodiert der Gewinn im Film- und Seriengeschäft um über 33 Prozent. Iger setzt alles auf eine Streaming-Wette, die erst jetzt Früchte trägt.

Disneys Park-Imperium muss das blutende Filmgeschäft quersubventionieren
Disney plant Aktienrückkäufe für 7 Milliarden Dollar nach starkem Quartalsbericht. Entertainment-Sparte kämpft mit Gewinneinbruch.

Das physische Erlebnis rettet die Bilanz vor dem kreativen Kollaps

Die nackten Zahlen des ersten Quartals offenbaren eine gefährliche Asymmetrie im Hause Mickey Mouse. Walt Disney hat zwar die Erwartungen der Analysten mit einem Umsatz von knapp 26 Milliarden Dollar und einem bereinigten Gewinn je Aktie von 1,63 Dollar übertroffen, doch die Quelle dieses Wohlstands ist einseitig. Es sind nicht die Leinwandhelden oder die Geschichten aus dem Star-Wars-Universum, die den Konzern stützen. Es sind die Kreuzfahrtschiffe und die Themenparks, die mit einem Rekordumsatz von zehn Milliarden Dollar als einsame Cash-Maschine fungieren. Ohne diese physischen Renditebringer stünde der Konzern vor einem Scherbenhaufen.

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Der operative Gewinn der Parksparte kletterte auf 3,3 Milliarden Dollar. Diese Zahlen kaschieren eine tiefe Krise in der einstigen Kernkompetenz des Unternehmens. Während die Menschen bereitwillig tausende Dollar für Themenreisen und Eintrittskarten ausgeben, verliert das klassische Entertainment-Geschäft rapide an Zugkraft. Ein Gewinneinbruch von mehr als einem Drittel in der Unterhaltungssparte zeigt, dass Disneys Fähigkeit, Content profitabel zu monetarisieren, massiv unter Druck steht. Der Konzern ist faktisch ein Reiseanbieter mit angeschlossenem, schwächelndem Filmstudio geworden.

Die einstige Kernkompetenz im Entertainment wird zur finanziellen Belastung

Dass der Gewinn im Entertainment-Bereich auf 1,1 Milliarden Dollar zusammengeschmolzen ist, markiert einen strategischen Tiefpunkt. Bob Iger kämpft mit einem Erbe, das er selbst mit teuren Akquisitionen und einer aggressiven Content-Strategie geschaffen hat. Das Publikum scheint gesättigt, die Produktionskosten für Blockbuster erreichen astronomische Höhen, während die Erträge an den Kinokassen und im linearen Fernsehen wegbechen. Dieser Niedergang ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern das Resultat eines veränderten Konsumverhaltens, dem Disney bisher nur mit massiven Investitionen begegnet ist.

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In der Sportsparte um ESPN sieht es kaum besser aus. Ein Gewinnrückgang von 23 Prozent auf lediglich 191 Millionen Dollar belegt die gnadenlose Kostenfalle der Sportrechte. Disney zahlt immer höhere Summen, um relevant zu bleiben, während die Margen durch die Abkehr vom klassischen Kabelfernsehen schwinden. Für das laufende Quartal wird hier mit einem weiteren Minus von 100 Millionen Dollar kalkuliert. Es ist ein ruinöser Wettbewerb, bei dem Disney zwar mitbietet, aber die wirtschaftliche Souveränität verliert. Die Abhängigkeit von teuren Live-Events wird zunehmend zur Belastung für die Gesamtrendite.

Streaming entwickelt sich vom Geldverbrenner zum Hoffnungsträger der Aktionäre

Mitten in dieser strukturellen Krise gibt es einen Lichtblick, den das Management nun als großen Triumph verkauft. Das Streaming-Geschäft soll im nächsten Quartal einen Gewinn von 500 Millionen Dollar erwirtschaften. Das wäre eine Steigerung um 200 Millionen Dollar gegenüber dem Vorjahr und ein klares Signal, dass die jahrelange Verbrennungsphase von Kapital endlich ein Ende findet. Disney+ und seine Schwesterplattformen erreichen die operative Profitabilität, was für Bob Iger die wichtigste Kennzahl seiner Rückkehr ist. Doch dieser Erfolg wird teuer erkauft: Die Abonnentenzahlen werden durch Preiserhöhungen und das Vorgehen gegen Account-Sharing gestützt, was das Wachstumspotenzial langfristig begrenzen könnte.

Die Börse honoriert diese Entwicklung vorerst, da der Markt nach Jahren der Verluste im Streaming nach Stabilität lechzt. Doch ein operativer Gewinn im Streaming von einer halben Milliarde Dollar ist im Vergleich zu den drei Milliarden aus den Parks lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein. Er dient vor allem dazu, die Erzählung vom digitalen Wandel aufrechtzuerhalten. Es bleibt die Frage, ob Disney im Streaming jemals die Margen erreichen kann, die das Unternehmen früher mit der physischen DVD-Auswertung und den Lizenzverkäufen erzielte. Bisher sieht es eher nach einer Verwaltung des Mangels aus.

Hohe Sportrechte und Aktienrückkäufe begrenzen den strategischen Spielraum

Um die Aktionäre bei der Stange zu halten, greift Disney zu bewährten Mitteln der Finanzmathematik. Ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von sieben Milliarden Dollar soll den Gewinn je Aktie künstlich nach oben treiben und für ein zweistelliges Wachstum sorgen.

Diese Form der Kapitalallokation ist ein Zugeständnis an die Wall Street, zeigt aber auch einen Mangel an internen Investitionsmöglichkeiten mit attraktiven Renditen. Statt das Geld in bahnbrechende neue Formate oder Technologien zu stecken, wird es an die Anteilseigner zurückgegeben, um den Aktienkurs zu stützen.

Diese Strategie ist riskant, da sie die Substanz des Unternehmens nicht stärkt, sondern nur die Optik der Bilanz schönt. Disney agiert wie ein Konzern im Spätherbst seines Zyklus: Man optimiert das Bestehende, schüttet Gewinne aus den alten Cash-Cows aus und hofft, dass die digitale Wette rechtzeitig groß genug wird, bevor das Kerngeschäft vollständig erodiert ist. Der Parkrekord ist beeindruckend, aber er ist das letzte Bollwerk gegen eine kreative und mediale Belanglosigkeit, die den Konzern langfristig bedroht.

Bob Iger steht vor der Aufgabe, ein Unternehmen zu führen, das zwei völlig unterschiedliche Geschwindigkeiten hat. Die physische Welt der Achterbahnen floriert, während die digitale Welt der Geschichten finanziell am Tropf der Preiserhöhungen hängt. Wenn der Parkboom abebbt, wird Disney schutzlos der Realität eines fragmentierten Medienmarktes gegenüberstehen, in dem Größe allein kein Garant mehr für Profitabilität ist.

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