Der aggressive Preisangriff löst eine massive Verkaufswelle bei etablierten Pharma-Aktien aus
Das Telehealth-Unternehmen Hims & Hers (HIMS.N) hat den Markt für Gewichtsreduktionspräparate mit einem radikalen Schritt erschüttert. Durch die Einführung einer zusammengesetzten („compounded“) Version der Wegovy-Pille von Novo Nordisk für lediglich 49 US-Dollar pro Monat unterbietet der Anbieter das Originalprodukt um rund 100 US-Dollar. Dieser Schritt zielt direkt auf den lukrativen Selbstzahlermarkt in den USA ab.
Die Auswirkungen auf die Börsenbewertung der Platzhirsche waren verheerend. Novo Nordisk (NOVOb.CO), bereits durch eine Prognose sinkender Gewinne (minus 13 Prozent) belastet, verzeichnete einen Kurseinbruch von fast 20 Prozent. Auch der Hauptkonkurrent Eli Lilly (LLY.N), der an einer eigenen oralen Lösung arbeitet, wurde in den Abwärtssog gezogen.

Marktbeobachter sehen in diesem Vorgang eine fundamentale Bedrohung für die Preisgestaltungsmacht der großen Pharmakonzerne. Die Unsicherheit darüber, wie lange Novo Nordisk seinen Marktanteil gegen Billiganbieter verteidigen kann, dominiert nun die Diskussion.
Juristische Grauzonen und Warnungen der FDA erhöhen das operative Risiko drastisch
Das von Hims genutzte „Compounding“ – das Mischen von Wirkstoffen durch Apotheken – befindet sich in einer regulatorischen Grauzone, die ursprünglich für Engpässe gedacht war. Novo Nordisk hat bereits rechtliche Schritte angekündigt, um seine Interessen zu wahren. Die US-Arzneimittelbehörde FDA verschärfte den Ton ebenfalls und drohte mit Maßnahmen gegen „illegale Nachahmerpräparate“.
Für Investoren stellt sich die kritische Frage, ob Patente im Consumer-Health-Sektor noch einen verlässlichen Schutz bieten. Sollte die FDA nicht rigoros einschreiten, könnte dies einen Präzedenzfall schaffen, der die Margen der gesamten Branche dauerhaft erodieren lässt.
Experten äußern massive Zweifel an der biochemischen Wirksamkeit der Billig-Kopie
Neben den juristischen Hürden existieren signifikante technologische Bedenken. Novo Nordisk verwendet die patentierte „SNAC“-Technologie, um die Aufnahme des Wirkstoffs Semaglutid im Magen zu ermöglichen. Hims hingegen verweist auf eine nicht näher spezifizierte „liposomale Technologie“.
Analysten warnen davor, dass orale Peptide ohne exakt abgestimmte Trägertechnologie im Verdauungstrakt zersetzt werden, bevor sie wirken können. Sollte sich die Hims-Pille als wirkungslos erweisen, wäre der aktuelle Markteffekt nur von kurzer Dauer, jedoch mit nachhaltigem Vertrauensschaden für das Segment verbunden.


