18. Juli, 2024

Wirtschaft

DGB und Handwerkspräsident im Diskurs über Arbeitszeitregelungen

DGB und Handwerkspräsident im Diskurs über Arbeitszeitregelungen

Die Debatte über längere Arbeitszeiten und mehr Überstunden stößt beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) auf scharfe Kritik. DGB-Chefin Yasmin Fahimi beschreibt die Forderungen nach Mehrarbeit als wirklichkeitsfremd und warnt vor Eingriffen in die Tarifautonomie. "Der allgemeine Ruf nach Mehrarbeit geht an der Realität von Millionen Beschäftigten vorbei", äußerte sich Fahimi in einem Interview mit der "Augsburger Allgemeinen". Politische Einmischungen ins Kerngeschäft der Tarif- und Betriebspolitik seien definitiv zu unterlassen. Laut Fahimi müsste der Schwerpunkt vielmehr darauf liegen, der häufig unbezahlten Überstundenpraxis in Deutschland entgegenzuwirken.

Die führenden Parteien der Ampel-Koalition haben jüngst den Haushalt für 2025 skizziert und planen zudem Maßnahmen zur Konjunkturankurbelung sowie Anreize für eine höhere Beschäftigungsquote. Ein zentrales Element dabei ist die steuer- und abgabenfreie Gestaltung von Zuschlägen für Überstunden, die über die tariflich vereinbarte Vollzeitarbeit hinausgehen. Zudem setzt sich die FDP-Bundestagsfraktion für eine Reform des Acht-Stunden-Tages in seiner bisherigen Form ein.

Fahimi betont jedoch, dass Mehrarbeit zunächst einmal erfasst und bezahlt werden müsse. "Wenn der Finanzminister meint, er könne auf Steuern und Abgaben bei bezahlten Zuschüssen verzichten, ist das nett, löst aber das Problem der Ausfallzeiten durch Überlastungen nicht," so Fahimi weiter. Es sei hinreichend belegt, dass verkürzte Ruhezeiten und länger andauernde Arbeitszeiten das Unfallrisiko signifikant erhöhen. Sie weist zudem auf die hohen Belastungen hin, die sich in Langzeiterkrankungen und einer steigenden Erwerbsminderung widerspiegeln.

Im Gegensatz dazu sieht Handwerkspräsident Jörg Dittrich in Überlegungen zur Anpassung der Tages- auf Wochenhöchstarbeitszeiten einen positiven Ansatz. Er fordert eine weniger emotionale Debatte über Arbeitszeitmodelle, die stärker auf die Praxis im Betriebsalltag ausgerichtet sein sollte. "Vertrauensvolle Absprachen zwischen Arbeitgeberinnen und Arbeitnehmern sind der Schlüssel, um individuell die besten Lösungen zu schaffen," argumentiert Dittrich gegenüber der Zeitung.