18. Juli, 2024

Wirtschaft

Deutschlandticket unter Druck: Steigende Preise oder marode Schienen?

Deutschlandticket unter Druck: Steigende Preise oder marode Schienen?

Die Zukunft des Deutschlandtickets steht in den Sternen, nachdem Bundesfinanzminister Christian Lindner eine mögliche Preiserhöhung ins Gespräch brachte. Der FDP-Politiker warnte, dass die Politik entscheiden müsse, ob Investitionen in die Schieneninfrastruktur oder die Beibehaltung des 49-Euro-Preises Vorrang haben sollen. Gegenwind kommt aus der SPD, die das Ticket als erfolgreichen und stabilisierenden Faktor sieht und nicht zur Verhandlungsmasse in der Haushaltsplanung machen will.

Seit Einführung des Deutschlandtickets wird dieses jährlich von Bund und Ländern mit jeweils 1,5 Milliarden Euro subventioniert. Eine Garantie auf den Preis von 49 Euro besteht jedoch nur noch bis Ende dieses Jahres. Sollte die Subventionierung nicht aufgestockt werden, könnte der monatliche Preis für das Ticket 2025 ansteigen. Der Fahrgastverband Pro Bahn spricht sich dafür aus, die Preissteigerung moderat zu halten und sie bei maximal 59 Euro zu begrenzen.

Doch die Kritik an der Subventionspolitik wird lauter. Ulrich Lange von der CSU warnte davor, dass eine zu starke Fokussierung auf günstige Ticketpreise die dringend notwendigen Investitionen in die Schieneninfrastruktur gefährdet. Ein nutzbares Ticket sei wertlos, wenn Züge aufgrund maroder Schienen nicht fahren können.

Die finanzielle Herausforderung ist groß: Bis 2030 sollen 40 stark belastete Bahnstrecken generalsaniert werden, was Milliardeninvestitionen erfordert. Bodo Ramelow, Ministerpräsident von Thüringen, bezifferte den Finanzbedarf auf mindestens 100 Milliarden Euro über zehn Jahre hinweg. Er sprach sich für ein Sondervermögen nach dem Modell zur Bundeswehrfinanzierung aus, um unabhängig vom Jahreshaushalt die Bahn zu modernisieren.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing brachte bereits vor Monaten einen Infrastrukturfonds ins Gespräch, der Schienen, Straßen und Wasserwege nachhaltig finanzieren soll. Das Konzept sieht auch die Beteiligung privater Kapitalgeber vor, ist jedoch bislang nicht umgesetzt.

Mit Blick auf die Zukunft warnte Ramelow vor einer möglichen Streckenausdünnung und steigenden Ticketpreisen. Insbesondere die nicht stark frequentierten Strecken dürften betroffen sein, wenn geplante Trassenpreissteigerungen ab 2025 realisiert werden. Die Deutsche Bahn selbst wiegelt ab und beteuert, es gebe derzeit keine konkreten Pläne zur Streichung von Verbindungen.