18. Juli, 2024

Märkte

Deutscher Aktienmarkt unter Druck: Risikoscheu und Inflationssorgen dominieren

Deutscher Aktienmarkt unter Druck: Risikoscheu und Inflationssorgen dominieren

Der deutsche Aktienmarkt verzeichnete am Dienstag erhebliche Verluste. Marktexperte Andreas Lipkow erklärte, dass Investoren derzeit eher im 'Risk-Off-Modus' agieren und von Positionsaufstockungen absehen. Zu viele Risiken seien momentan an den Finanzmärkten präsent, denen zu wenig Chancen gegenüberstünden.

Der DAX büßte nach der Veröffentlichung neuer Inflationsdaten aus der Eurozone weiter ein und lag zuletzt 1,22 Prozent im Minus bei 18 068,39 Punkten. Auch der MDAX verzeichnete einen Rückgang von 0,96 Prozent auf 25 002,43 Zähler. Der EuroStoxx-Index sank ebenfalls um etwa 1,0 Prozent.

Die Inflation im Euroraum bleibt auch nach einem Rückgang im Juni hartnäckig. Die Rate fiel von 2,6 Prozent im Mai auf 2,5 Prozent, während die Teuerung, ohne die volatilen Preise für Energie und Nahrungsmittel, im Juni bei 2,9 Prozent stagnierte. Experten hatten hier einen leichten Rückgang erwartet.

Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar von RoboMarkets beobachtete, dass Anleger offenbar nur noch auf wirklich schlechte Nachrichten warten, um Kasse zu machen. Es gebe viele Anzeichen dafür, dass der Markt in ein Sommerloch fallen könnte, wobei die Tiefe schwer vorherzusagen sei und auch von der Qualität der Nachrichten sowie den Entwicklungen in Frankreich abhängig sei, wo am Sonntag die Stichwahl stattfindet.

Versicherungsunternehmen standen besonders unter Verkaufsdruck, da sie unter den Inflationszahlen und dem Hurrikan 'Beryl' litten. Dieser nimmt im Südosten der Karibik früh in der Sturmsaison an Fahrt auf und könnte erhebliche Schadenskosten verursachen. Entsprechend gehörten Aktien von Munich Re, Hannover Rück und Allianz mit Verlusten zwischen 1,9 und 4,6 Prozent zu den schwächsten DAX-Werten. Bei den MDAX-Werten erlitten Talanx-Aktien mit einem Minus von 4,0 Prozent das Schlusslicht.

Erfreulich war die Entwicklung bei Hellofresh, deren Aktien mit einem Kurssprung von 6,7 Prozent ihren Erholungskurs seit dem Rekordtief vom Freitag auf rund 16 Prozent ausbauten. Trotz eines Verlusts von rund 64 Prozent im bisherigen Jahresverlauf erhielt die Hellofresh-Aktie eine Aufwertung von der US-Bank JPMorgan, die ihren Status 'Negative Catalyst Watch' aufgab.

Sartorius-Aktien erlebten nach der Ankündigung des Abschieds ihres Unternehmenschefs Joachim Kreuzburg wechselhafte Kursschwankungen. Trotz eines neuerlichen Tiefs seit März 2020 stabilisierten sich die Papiere bei rund 200 Euro.

Die Anteilsscheine von Siemens Energy erreichten den höchsten Stand seit vier Wochen und führten mit einem Plus von 4,1 Prozent den DAX an. Das Analysehaus Redburn hatte zuvor eine Kaufempfehlung ausgesprochen, und Vorstand Tim Holt kündigte einen Ausbau des Netzgeschäfts an. Goldman-Analyst Ajay Patel sieht die Dreijahresziele der Sparte als sehr konservativ und glaubt an eine mögliche Anhebung.

Unter den Nebenwerten stachen die Aktien von Northern Data hervor, die um 21 Prozent zulegten. Die Nachricht von einem möglichen US-Börsengang ihrer KI-Cloud- und Datenzentren-Geschäfte beflügelte das Interesse der Investoren.

Der Euro notierte zuletzt bei 1,0728 US-Dollar, während der Referenzkurs der Europäischen Zentralbank am Vortag bei 1,0745 Dollar gelegen hatte. Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite leicht auf 2,63 Prozent. Der Rentenindex Rex gewann 0,03 Prozent auf 124,01 Punkte, während der Bund-Future um 0,02 Prozent auf 130,46 Punkte zulegte.