15. Juli, 2024

Wirtschaft

Deutsche Bundesanleihen auf dem Vormarsch: Abkühlung der US-Konjunktur als Treiber

Deutsche Bundesanleihen auf dem Vormarsch: Abkühlung der US-Konjunktur als Treiber

Die Kurse deutscher Bundesanleihen verzeichneten am Freitag einen Aufwärtstrend. Der Euro-Bund-Future, der als Richtwert dient, stieg am Nachmittag um 0,41 Prozent auf 131,09 Punkte. Parallel dazu sank die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf 2,55 Prozent.

Unterstützung erhielten die Anleihekurse durch den US-Arbeitsmarktbericht, der erneut Hinweise auf eine allmähliche Abkühlung der Wirtschaft lieferte. Während im Juni über 200.000 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden, fiel die Beschäftigungsentwicklung in den vorangegangenen beiden Monaten schwächer aus als bisher angenommen. Zudem erhöhte sich die Arbeitslosenquote auf den höchsten Stand seit Ende 2021, obwohl sie sich nach wie vor auf geringem Niveau befindet. Die Lohnzuwächse blieben ebenfalls hinter den bisherigen Erwartungen zurück.

Analyst Dirk Chlench von der Landesbank Baden-Württemberg interpretiert den aktuellen Arbeitsmarktbericht als weiteres Puzzlestück zur Bestätigung einer rückläufigen US-Konjunktur. „Die momentane Entwicklung am Arbeitsmarkt steht einer Zinssenkung der Fed bei der September-Sitzung nicht im Wege“, so Chlench. Insgesamt sind für das laufende Jahr an den Finanzmärkten zwei Zinssenkungen eingeplant.

Gleichzeitig enttäuschten auch aktuelle Produktionszahlen aus der deutschen Industrie nach bereits schwachen Auftragszahlen. Im Mai verzeichnete die Gesamtherstellung einen erheblichen Rückgang im Monatsvergleich, welcher den stärksten seit Ende 2022 darstellt. „Diese Entwicklung lässt vermuten, dass die Produktion auch im zweiten Quartal deutlich zurückgehen wird und die Gesamtwirtschaft im Frühjahr kaum gewachsen ist“, kommentierte Ralph Solveen, Ökonom bei der Commerzbank. Alles deutet darauf hin, dass im zweiten Halbjahr lediglich eine moderate Wirtschaftserholung zu erwarten ist.