18. Juli, 2024

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Delivery Hero unter Druck: EU droht Millionenstrafe wegen Wettbewerbsverstößen

Delivery Hero unter Druck: EU droht Millionenstrafe wegen Wettbewerbsverstößen

Die Aktien von Delivery Hero erlebten einen markanten Einbruch, nachdem der deutsche Online-Lieferdienst am Sonntag bekanntgab, dass eine mögliche Strafzahlung seitens der EU aufgrund von wettbewerbswidrigem Verhalten bevorsteht. Diese Entwicklungen sind Teil einer verstärkten Kontrolle der Unternehmenspraktiken durch die Europäische Union. Im frühen Handel an der Frankfurter Börse fiel Delivery Heros Aktienkurs bis zu 17 Prozent, bevor sich die Verluste auf fünf Prozent einpendelten. Anlass zur Sorge gibt eine mögliche Bußgeldzahlung von über 400 Millionen Euro. Hintergrund dieser Strafe sind Vorwürfe, die eine wettbewerbswidrige Marktaufteilung, der Austausch sensibler Geschäftsinformationen sowie Abwerbeverbote betreffen. Hierdurch sieht sich Delivery Hero gezwungen, seine vorherige Rückstellung von 186 Millionen Euro signifikant zu erhöhen. Die Erhöhung dieser Rückstellung basiert auf "jüngsten informellen Gesprächen mit der Europäischen Kommission und einer anschließenden detaillierten Analyse", so das Unternehmen. Die EU-Kommission hatte bereits in den vergangenen Monaten Untersuchungen bei mehreren Unternehmen durchgeführt, so auch im Juli 2022 und November 2023 bei Delivery Hero. Der Vorwurf: kollusive Absprachen zwischen Online-Lieferdiensten. Namen wurden seitens der EU-Kommission nicht genannt. Die europäische Regulierungsbehörde untersucht verstärkt mögliche Verstöße gegen Wettbewerbsregeln, insbesondere bei Online-Lieferdiensten. Im November gab die Kommission bekannt, Inspektionen in einem langjährigen Fall bei Reifenherstellern durchzuführen. Dort steht der Verdacht der Preisabsprachen zum Nachteil der Verbraucher im Raum. Unternehmen, die gegen EU-Wettbewerbsrecht verstoßen, können mit Geldstrafen von bis zu zehn Prozent ihres globalen Umsatzes belangt werden. In den letzten fünf Jahren verhängte die EU nahezu 4 Milliarden Euro an Strafen wegen wettbewerbswidrigen Verhaltens. Delivery Hero mit Sitz in Berlin hat angekündigt, "vollumfänglich" mit der EU-Kommission zu kooperieren, wie bereits bei den vergangenen Inspektionen. Die Kommission selbst wollte am Montag keinen Kommentar abgeben. Analysten von Bernstein äußerten sich wenig optimistisch zu der aktuellen Situation und prognostizieren eine mögliche Verzögerung der geplanten positiven Entwicklung zu einem positiven Free Cash Flow, den das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2024 anvisierte. Trotz der drohenden Strafen sei der unmittelbare Einfluss auf den Aktienkurs jedoch begrenzt. Die Pandemie hatte zunächst zu einem Boom in der Lebensmittel-Lieferbranche geführt, gefolgt von einem zunehmend schwierigen makroökonomischen Umfeld. Delivery Hero meldete in den Jahren 2022 und 2023 Wertminderungen von mehr als 1,6 Milliarden Euro. In diesem Jahr hat das Unternehmen einige Vermögenswerte abgestoßen, um Ressourcen gezielt zu bündeln. Im Mai erwarb Uber beispielsweise die Foodpanda-Marke in Taiwan für 950 Millionen US-Dollar und den Anteil von drei Prozent an Delivery Hero für 300 Millionen US-Dollar. Bereits im Januar zog sich das deutsche Unternehmen aus seinem Minderheitsanteil an dem in London börsennotierten Lieferdienst Deliveroo zurück.