24. Juni, 2024

Märkte

DAX vor dem Wochenende im Abwärtstrend: US-Arbeitsmarktdaten belasten

DAX vor dem Wochenende im Abwärtstrend: US-Arbeitsmarktdaten belasten

Ein über den Erwartungen liegender US-Arbeitsmarktbericht hat den DAX am Freitag weiter ins Minus gedrückt. Am Nachmittag verlor der Leitindex 1,09 Prozent und stand bei 18.448,62 Punkten auf dem niedrigsten Stand des Tages. Damit konnte sich der DAX vor dem Wochenende nicht erneut dem drei Wochen alten Rekordhoch annähern.

Die US-Wirtschaft schuf im Mai deutlich mehr Arbeitsplätze als prognostiziert, und die Stundenlöhne stiegen stärker als erwartet. Thomas Altmann von QC Partners kommentierte, dass diese robuste Arbeitsmarktlage in Kombination mit steigendem Lohnwachstum die US-Notenbank Fed weiterhin von Zinssenkungen abhalten könnte. In der kommenden Woche steht der nächste Zinsentscheid der Fed an, jedoch rechnet kaum jemand mit einer Zinssenkung.

Im MDAX gaben die mittelgroßen Werte um 1,13 Prozent auf 26.721,83 Punkte nach. Der EuroStoxx 50, der Leitindex für die Eurozone, sank um rund 0,9 Prozent. Auch an den US-Börsen deutete sich ein schwacher Handelsstart an, wobei der Dow Jones Industrial etwa ein halbes Prozent tiefer erwartet wird.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Vortag erstmals seit 2019 die Zinsen gesenkt, was jedoch kaum Überraschungspotenzial bot. Jürgen Molnar von RoboMarkets bemerkte, dass die Anleger diese historische Zinssenkung vor der Federal Reserve lediglich mit einem Schulterzucken zur Kenntnis nahmen, da konkrete Aussagen zum weiteren Zinspfad ausblieben.

Aufseiten der deutschen Industrie sorgten durchwachsene Nachrichten für zusätzliche Belastung. Die Gesamtproduktion sank im April leicht, was bereits durch enttäuschende Auftragseingänge am Donnerstag angedeutet wurde. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, betonte, dass ohne neue Bestellungen die Produktion nicht gesteigert werden könne. Allerdings legten die Exporte zuletzt zu, obwohl der Handel mit China weiterhin rückläufig blieb. Vor allem Titel aus der Autoindustrie schwächelten, wobei die Volkswagen Vorzugsaktien ein Tief seit Januar erreichten.

Unternehmensseitig stoppte Qiagen sein PCR-Testsystem Neumodx aufgrund der nachlassenden Nachfrage nach der Pandemie. Dies wird voraussichtlich die Profitabilität im laufenden Jahr positiv beeinflussen, doch die Qiagen-Aktien verloren 0,9 Prozent. Ein Händler merkte an, dass die hohen Kosten für diese Restrukturierung ein Thema bleiben könnten.

Die Talfahrt der Immobilienwerte setzte sich nach der Zinssenkung der EZB fort. Morgan-Stanley-Analyst Bart Gysens sieht kaum Chancen auf Kurstreiber und bewertete Vonovia mit "Underweight". LEG rutschte im MDAX um 5,8 Prozent ab, und auch Aroundtown sowie TAG verzeichneten Verluste.

Infineon profitierte hingegen von einem positiven Analystenkommentar und führte den DAX mit einem Plus von 2,2 Prozent an. Die französische Investmentbank Exane BNP Paribas erhöhte das Kursziel für den Halbleiterkonzern auf 53 Euro und sieht weiterhin ein Kurspotenzial von über 40 Prozent.

Bedenken äußerten sich bei Airbus, dessen Aktien um 2,8 Prozent nachgaben. Der weltgrößte Flugzeugbauer lieferte im Mai lediglich 53 Passagierjets aus, was angesichts des Jahresziels von rund 800 Maschinen Sorgen bereitete. Oddo-Analyst Yan Derocles sieht das Ziel zwar noch erreicht, warnt jedoch vor zunehmenden Risiken.

Im SDAX wurden die Aktien der DWS abzüglich einer ordentlichen Dividende von 2,10 Euro und einer Sonderdividende von 4 Euro je Anteil gehandelt. Die deutlichen Kursverluste von 16,9 Prozent bei der Tochter der Deutschen Bank sind daher rein optischer Natur.

Am Devisenmarkt fiel der Euro nach den US-Jobdaten deutlich zurück und notierte zuletzt bei 1,0829 US-Dollar. Die EZB hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,0865 Dollar festgelegt.

Die Umlaufrendite am Rentenmarkt stieg von 2,59 Prozent auf 2,64 Prozent. Der Rentenindex Rex sank um 0,29 Prozent auf 123,83 Punkte, und der Bund-Future verringerte sich um 0,10 Prozent auf 130,53 Zähler.