Obwohl CEO Bettina Orlopp für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Nettogewinn von 2,63 Milliarden Euro präsentierte, brach der Kurs um über sechs Prozent ein. Der Gewinnrückgang im Vergleich zum Vorjahr war zwar durch Restrukturierungskosten für den Abbau von 3.900 Stellen geplant, doch andere Faktoren belasteten die Stimmung deutlich stärker.
Das Management hob zwar das Ziel für die Nettozinserträge 2026 leicht auf 8,5 Milliarden Euro an, traf damit aber lediglich die ohnehin hohen Erwartungen des Marktes. Anleger werteten dies als Zeichen für mangelnde Dynamik und befürchten, dass das Institut seinen Wachstumshöhepunkt bereits überschritten haben könnte.

Die Prognose-Falle: Wenn „übertreffen“ nicht genug ist
Der Hauptgrund für den Abverkauf liegt im Ausblick für das Jahr 2026. Der Vorstand kündigte an, das bisherige Gewinnziel von 3,2 Milliarden Euro übertreffen zu wollen. Was zunächst positiv klingt, ist für Analysten eine Enttäuschung: Der Konsens am Markt lag bereits bei 3,4 Milliarden Euro. Damit bleibt die Bank hinter den Hoffnungen der Investoren zurück, die auf eine deutlich aggressivere Zielsetzung gewettet hatten.
Zudem sorgt die Beteiligung an Aquila Capital für Stirnrunzeln. Erneut mussten 52 Millionen Euro abgeschrieben werden, womit bereits zwei Drittel des Kaufpreises aus dem Jahr 2024 vernichtet wurden. Der Versuch, über Zukäufe im Bereich nachhaltiger Vermögensverwaltung zu wachsen, entwickelt sich damit zunehmend zum kostspieligen Fehlschlag und belastet das Vertrauen in die Strategie der Konzernspitze.

Charttechnik: Wichtige Unterstützungslinien durchbrochen
Die heftige Marktreaktion spiegelt sich unmittelbar im Chartbild wider. Die Aktie unterschritt im Intraday-Handel die wichtige 50-Tage-Linie bei 34,95 Euro und kämpft nun darum, Halt beim GD100 bei 33,39 Euro zu finden. Trotz der geplanten höheren Ausschüttungen an die Aktionäre dominiert derzeit die Angst vor einer längeren Durststrecke.
Beobachter rätseln nun, ob es sich bei dem verhaltenen Ausblick um taktisches Erwartungsmanagement des Vorstands handelt, um später positiv zu überraschen, oder ob die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen tatsächlich weniger Spielraum lassen. Investierte Anleger sollten vorerst die Ruhe bewahren, auch wenn das Momentum kurzfristig klar nach unten zeigt.

