Der IT-Dienstleister Cancom will im laufenden Jahr auf den Wachstumspfad zurückkehren. Nach einer Belebung des Geschäfts zum Jahresende 2025 hin stellte das Unternehmen aus München am Donnerstag für 2026 einen Umsatzanstieg auf 1,75 bis 1,85 Milliarden Euro in Aussicht – nach 1,71 Milliarden Euro im Vorjahr. Das operative Ergebnis (Ebita) soll sich auf 55 bis 75 Millionen Euro verbessern, nachdem es im vergangenen Jahr auf 48,0 Millionen Euro eingebrochen war, von 59,6 Millionen Euro im Jahr 2024.
Das klingt nach Erholung. Doch die Bandbreite der Prognose ist groß – zwischen 55 und 75 Millionen Euro liegen 20 Millionen Euro oder rund 36 Prozent Unterschied. Das zeigt: Cancom weiß selbst nicht genau, wohin die Reise geht. Die Unsicherheit ist hoch, die Risiken sind real.
„Die strukturellen Treiber der Digitalisierung bleiben stark: Unternehmen und öffentliche Institutionen investieren weiterhin in leistungsfähige, sichere und souveräne IT-Infrastrukturen sowie in die Nutzung von Artificial Intelligence", kommentierte Cancom-Vorstandschef Rüdiger Rath die Perspektiven. Gleichzeitig zeichneten sich aber deutliche Preiserhöhungen und Fragezeichen hinter der Verfügbarkeit von IT-Bauteilen ab.

Ebita brach 2025 um 19 Prozent ein – Umsatz ging zurück
Das vergangene Jahr war für Cancom schmerzhaft. Das Ebita stürzte von 59,6 Millionen Euro auf 48,0 Millionen Euro ab – ein Minus von 19 Prozent. Der Umsatz ging leicht zurück. Die Margen schrumpften, die Profitabilität litt. Dennoch hält Cancom die Dividende stabil bei 1,00 Euro je Aktie. Das ist ein Signal: Das Management glaubt an die Trendwende.
Doch der Glaube allein reicht nicht. Cancom muss liefern. Die Kunden müssen investieren, die Lieferketten funktionieren, die Preise kalkulierbar bleiben. All das ist derzeit nicht garantiert. Die Weltwirtschaft schwächelt, die Investitionsbereitschaft sinkt, die geopolitischen Risiken steigen.
Digitalisierung und KI treiben Nachfrage – doch die Unsicherheit wächst
Rath setzt auf die strukturellen Treiber der Digitalisierung. Unternehmen brauchen sichere IT-Infrastrukturen, souveräne Cloud-Lösungen, KI-Anwendungen. Öffentliche Institutionen modernisieren ihre Systeme, investieren in Cybersecurity, bauen digitale Verwaltungen auf. Das sind stabile, langfristige Trends.
Doch kurzfristig dominiert die Unsicherheit. Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück, weil die Konjunktur schwächelt. Öffentliche Haushalte sind klamm, Budgets werden gekürzt, Projekte verschoben. Die Nachfrage ist da – aber die Kaufkraft fehlt.
Hinzu kommen die Preiserhöhungen. IT-Bauteile werden teurer, Lieferzeiten länger, Verfügbarkeit unsicherer. Die Halbleiterindustrie kämpft mit Kapazitätsengpässen, geopolitischen Spannungen, steigenden Kosten. Das schlägt auf IT-Dienstleister wie Cancom durch. Die Margen schrumpfen, die Planungssicherheit sinkt.
Preiserhöhungen und Bauteil-Knappheit als Risikofaktoren
Rath nennt die Probleme offen: „Deutliche Preiserhöhungen und Fragezeichen hinter der Verfügbarkeit von IT-Bauteilen." Das ist diplomatisch formuliert, bedeutet aber: Es wird teurer und knapper. Wer IT-Projekte plant, muss mit höheren Kosten rechnen. Wer Hardware bestellt, muss länger warten. Wer kalkuliert, muss Puffer einbauen.
Für Cancom ist das eine zweifache Belastung. Einerseits steigen die Einkaufspreise, was die Margen drückt. Andererseits sinkt die Planbarkeit, was Projekte verzögert und Umsätze verschiebt. Sollten die Lieferengpässe sich verschärfen, könnte Cancom Aufträge nicht rechtzeitig erfüllen – und Kunden abspringen.

Die Bandbreite der Ebita-Prognose spiegelt diese Unsicherheit wider. Im besten Fall steigt das operative Ergebnis auf 75 Millionen Euro – 56 Prozent über dem Vorjahr. Im schlechtesten Fall sind es nur 55 Millionen Euro – 15 Prozent über dem Vorjahr. Die Differenz ist enorm und zeigt: Cancom navigiert im Nebel.
Dividende bleibt stabil – Signal des Vertrauens oder letzte Reserve?
Trotz des Gewinneinbruchs hält Cancom die Dividende bei 1,00 Euro je Aktie stabil. Das ist ein Signal an die Aktionäre: Wir glauben an die Erholung. Das Management zeigt Zuversicht, will Vertrauen schaffen, Anleger bei der Stange halten.
Doch die Frage bleibt: Ist das klug oder riskant? Wer Dividenden zahlt, obwohl der Gewinn eingebrochen ist, verbraucht Reserven. Sollte 2026 schlechter laufen als erhofft, könnte die Dividende 2027 gekürzt werden. Das würde die Aktie belasten, das Vertrauen erschüttern, die Kapitalbeschaffung erschweren.
Cancom setzt darauf, dass die Trendwende kommt. Die Digitalisierung läuft weiter, KI boomt, IT-Sicherheit wird wichtiger. Das sind starke Argumente. Doch sie reichen nicht, wenn die Konjunktur schwächelt, die Preise explodieren und die Lieferketten blockiert sind.
Fazit – Hoffnung auf Erholung, aber Risiken bleiben hoch
Cancom will zurück auf den Wachstumspfad. Die Prognose klingt positiv, die Dividende bleibt stabil, das Management optimistisch. Doch die Bandbreite der Ebita-Prognose zeigt: Die Unsicherheit ist groß. Preiserhöhungen, Bauteil-Knappheit und Konjunkturschwäche könnten die Erholung bremsen.
Wer in Cancom investiert, wettet auf die Digitalisierung – und darauf, dass die Lieferketten halten. Das ist keine schlechte Wette, aber auch keine sichere. Die nächsten Quartale werden zeigen, ob Cancom liefern kann. Bis dahin bleibt Vorsicht geboten.
