18. Juli, 2024

Märkte

Britische Pfundhändler erleben eine ruhige Wahlnacht

Britische Pfundhändler erleben eine ruhige Wahlnacht

Die Tradition will es, dass Händler in London während einer potentiell entscheidenden nationalen Wahl in Großbritannien eine Nachtschicht einlegen. Doch in der Nacht des jüngsten Erdrutschsiegs der Labour Party unter Sir Keir Starmer blieb es überraschend ruhig im Herzen der City. Pizzakartons und Limonadenflaschen, sonst treue Begleiter durch nervenaufreibende Nächte, blieben diesmal weitgehend unberührt.

Vor der erwarteten Mehrheit für Labour waren die Optionen-Märkte vorbereitet, um geringe Schwankungen des Pfunds am Tag nach der Wahl abzufedern. Doch als die ersten Prognosen um 22 Uhr einen deutlichen Labour-Sieg vorausgesagten, blieb das Handelsvolumen gering. „Man konnte die Anzahl der getätigten Pfund-Transaktionen an einer Hand abzählen“, erzählte ein Banker.

Am nächsten Morgen schien es fast, als hätte überhaupt keine Wahl stattgefunden. Aktien legten leicht zu, im Einklang mit der restlichen europäischen Märkte, wobei Hausbauer besonders herausstachen. Die Anleihekurse stiegen und das Pfund blieb stabil.

Die allgemeine Gleichgültigkeit könnte auf die Tatsache zurückzuführen sein, dass Meinungsumfragen seit Monaten einen Labour-Sieg prognostizierten. Doch diese Ruhe vor dem Sturm wurde als Kompliment an die Stabilität der neuen Regierung interpretiert. Eben jene Stabilität, die Liz Truss mit ihrem „Mini“-Budget 2022 verwehrt blieb.

Großbritannien wird nun als eine der sichereren Wetten in der Region betrachtet, besonders im Vergleich zur politischen Landschaft in Frankreich, wo möglicherweise entweder ein hung parliament oder eine rechtsextreme Regierung bevorsteht. Shahab Jalinoos von UBS sieht das Pfund als „Insel der Stabilität“, die möglicherweise weiter an Stärke gewinnt, sollte Deutschland einem ähnlichen politischen Weg folgen.

Monica Defend von Amundi Investment Institute äußerte sich positiv zu britischen Staatsanleihen und hob hervor, dass Starmers Wahl England näher an den Status einer sicheren Anlage bringt. Sie betonte, dass UK Fixed Income trotz geringer Gewichtung in globalen Benchmarks für internationale Investoren attraktiv sein könnte.

Die Auswirkungen auf den Aktienmarkt sind schwieriger zu beurteilen, da der FTSE 100 mehr die Gesundheit globaler Unternehmen widerspiegelt. Björn Jesch von DWS bleibt skeptisch und kritisiert Großbritannien als wenig attraktiven Handelspartner. Laura Foll von Janus Henderson Investors hingegen sieht in der politisch stabilen Lage eine Chance für britische Aktien, wieder attraktiver zu werden. „Langweilig ist gut“, meinte sie und betonte den Wunsch nach politischer Stabilität seit der Brexit-Abstimmung 2016.