17. Juli, 2024

Politik

Britische Parlamentswahl: Hoffnung auf eine Stärkung der Handelsbeziehungen

Britische Parlamentswahl: Hoffnung auf eine Stärkung der Handelsbeziehungen

Die deutsch-britische Wirtschaft zeigt sich optimistisch angesichts des wahrscheinlichen Sieges der Labour-Partei bei der Parlamentswahl im Vereinigten Königreich. Vertreter beider Länder hoffen auf eine Annäherung und Erleichterungen im bilateralen Handel, doch eine Rückkehr des Vereinigten Königreichs in den EU-Binnenmarkt oder die Zollunion bleibt laut Experten unwahrscheinlich.

York-Alexander von Massenbach von der Britischen Handelskammer in Deutschland (BCCG) betont, dass die neue Labour-Regierung unter Keir Starmer vermutlich zwar die wirtschaftlichen Verbindungen stärken, jedoch das Brexit-Referendum respektieren und keinen Wiedereintritt in die EU anstreben werde. Der Fokus liege auf Verbesserungen der bestehenden Beziehungen.

Bei der bevorstehenden Wahl am Donnerstag steuert Labour Umfragen zufolge auf eine deutliche Mehrheit zu. Seitdem das Vereinigte Königreich die EU und die Zollunion 2020 beziehungsweise 2021 verlassen hat, gestalten sich Warenaustausch und Handel trotz eines Freihandelsabkommens weiterhin schwierig.

Ulrich Hoppe, der Chef der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer (AHK) in London, äußerte die Hoffnung auf eine Einigung bei phytosanitären Handelsregeln, also für Waren tierischen Ursprungs, da dies politisch bedeutend sei. Auch bei chemischen Produkten könnte eine Angleichung an den europäischen Regulierungsrahmen erfolgen. Große Annäherungen seien jedoch in naher Zukunft nicht zu erwarten.

Die German Industry UK (GIUK) sieht ebenfalls Nachholbedarf bei der Bürokratie. Bernd Atenstaedt, Vorsitzender der GIUK, fordert einen Abbau von Formularen beim Import und Export, sowie bei der Anerkennung von EU-Qualifikationen und der Einstellung von EU-Mitarbeitern, um die Kooperation mit der EU zu verbessern.

Von Massenbach von der BCCG sieht kurzfristig die größte Wahrscheinlichkeit bei sicherheitspolitischen Kooperationen und Erleichterungen bei Arbeitserlaubnissen für junge Menschen. Eine Überarbeitung des Freihandelsabkommens 2026 könnte hierbei einen Ansatzpunkt bieten. Zudem könnte ein neuer Handels- und Technologierat zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich ähnlich wie jene zwischen der EU und den USA oder Indien die Umsetzung dieses Abkommens unterstützen.

AHK-Chef Hoppe bleibt jedoch skeptisch. Eine Rückkehr in das Erasmus-Programm oder Visumserleichterungen seien zwar wünschenswert, aber auf Grund der politischen Komplexität und den hohen Einwanderungszahlen unter einer zukünftigen Labour-Regierung schwer umsetzbar.