Die harten Finanzkennzahlen offenbaren den stärksten Gewinneinbruch seit der Coronapandemie
Der Münchener Dax-Konzern BMW verzeichnet einen massiven Ergebniseinbruch im abgelaufenen Geschäftsjahr. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern fiel um 11,5 Prozent auf 10,2 Milliarden Euro. Im Vorjahr 2024 war diese zentrale Kennzahl bereits um mehr als 37 Prozent eingebrochen.
Damit erreicht der operative Gewinn den tiefsten Stand seit Ausbruch der Coronapandemie. Auch der Konzernumsatz schrumpfte signifikant um 6,3 Prozent auf 133,5 Milliarden Euro, während der Jahresüberschuss auf 7,5 Milliarden Euro absackte. Am Kapitalmarkt sorgten die Zahlen für Ernüchterung: Die Stammaktie verlor kurz nach Handelsbeginn über 2,7 Prozent und summiert das Minus seit Jahresbeginn auf rund 13 Prozent.

Die operative Marge in der Kernsparte Automobilbau fiel um einen Prozentpunkt auf magere 5,3 Prozent. Dies verfehlt die vom Management strategisch anvisierte Zielrendite von acht bis zehn Prozent deutlich. Ankeraktionäre wie Susanne Klatten und Stefan Quandt sollen dennoch mit einer um zehn Cent erhöhten Dividende von 4,40 Euro pro Stammaktie besänftigt werden.
Der gnadenlose Preiskampf in China und globale Strafzölle vernichten die Margen des Autobauers
Die Profitabilität des Unternehmens leidet massiv unter einem beispiellosen Preiskampf auf dem global wichtigsten Automarkt in China. Dort ringen mehr als 100 Automarken erbittert um Marktanteile, was bei den Kernmarken BMW und Mini zu einem dramatischen Absatzrückgang von über zwölf Prozent führte.
Zusätzlich belasten globale Handelskonflikte die Bilanz des Premiumherstellers erheblich. Importzölle in den USA und der Europäischen Union drückten die operative Marge im abgelaufenen Jahr um rund 1,5 Prozentpunkte.
Trotz der Kapazitäten im leistungsstarken US-Werk in Spartanburg prognostiziert das Management für das laufende Geschäftsjahr 2026 weiterhin eine margendämpfende Belastung von 1,25 Prozentpunkten. Die Renditeerwartung für 2026 bleibt dementsprechend mit vier bis sechs Prozent äußerst verhalten.
Eine umstrittene Technologie-Strategie sichert BMW überraschend den Sieg über die heimische Konkurrenz
Trotz der düsteren Bilanzkennzahlen deklassiert BMW im direkten nationalen Branchenvergleich die Wettbewerber aus Stuttgart und Wolfsburg. Mit einem operativen Ergebnis von 10,2 Milliarden Euro überholen die Münchener den Mercedes-Benz-Konzern, der nur 5,8 Milliarden Euro verbuchte, sowie den Volkswagen-Konzern mit 8,9 Milliarden Euro.

BMW verzeichnet damit erstmals seit zehn Jahren ein höheres EBIT als Volkswagen. Finanzexperten führen diesen unerwarteten Markttriumph primär auf die technologieoffene Produktionsstrategie zurück. Während Wettbewerber wie Mercedes und Porsche ihre teuren und aggressiven Elektrifizierungsziele einkassieren und Werke aufwendig umrüsten mussten, profitierte BMW von der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Verbrennungsmotoren.
„Wir haben uns in den letzten Jahren strategisch richtig aufgestellt. Davon profitieren wir heute: Wir müssen in einem herausfordernden Umfeld nicht umsteuern, sondern können unseren Kurs halten und unsere Strategie weiter konsequent umsetzen“, so der scheidende BMW-Vorstandschef Oliver Zipse.
Die radikale Modelloffensive der Neuen Klasse entscheidet über das Überleben des Konzerns
Oliver Zipse übergibt sein Amt im Mai an den bisherigen Produktionsvorstand Milan Nedeljkovic und hinterlässt ein kritisches Erbe. Mehr als zehn Milliarden Euro flossen in die Entwicklung der rein elektrischen Fahrzeugarchitektur namens Neue Klasse, welche die schwindenden Margen stabilisieren soll.
Als erster technologischer Vorreiter läuft das Elektro-SUV iX3 im ungarischen Werk Debrecen vom Band. Eine spezielle Langversion dieses Modells für den chinesischen Markt soll in Kürze die dortigen Absatzzahlen retten und den gefährlichen Abwärtstrend in Fernost stoppen.
„Die Nachfrage nach dem iX3 übertrifft unsere Erwartungen deutlich. Sowohl bei den Bestellungen von Privat- als auch Flottenkunden“, so der scheidende BMW-Vorstandschef Oliver Zipse.
Im Rahmen dieser Modelloffensive plant BMW den Launch von bis zu 40 neuen Fahrzeugen. Bereits im April folgt die Luxuslimousine 7er, bevor in der zweiten Jahreshälfte die Produktion der elektrischen 3er-Limousine im Stammwerk München sowie die überarbeitete Version des SUV X5 aus Spartanburg starten.



