19. Mai, 2024

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Begehrtes Übernahmeziel: Wood Group im Fokus von Sidara

Begehrtes Übernahmeziel: Wood Group im Fokus von Sidara

Zuwachs im Kreis der begehrten Energieunternehmen: Die schottische Ingenieursfirma Wood Group, die sich von einem missglückten Übernahmeversuch erholt, erlangte seit Anfang des Jahres mehrfach die Aufmerksamkeit von Investoren. Zunächst zeigte das Buyout-Unternehmen Apollo Interesse mit gleich fünf Offerten, zog sich dann jedoch zurück. Jetzt richtet ein Unternehmen aus Dubai, das zuvor bereits die australische Konkurrenz Worley im Visier hatte, seine Blicke auf den FTSE 250-Titelträger.

Der mögliche Rückzug von Wood aus dem öffentlichen Handel in London würde Diskussionen über die Marktsituation befeuern, doch gerade bei angeschlagenen Unternehmen könnten solche "Take-private"-Deals durchaus positive Seiten haben.

Sidara, die vormalige Dar Group, machte ein Angebot zur Übernahme von Wood, das einen Aktienpreis von 205 Pence vorsieht und das Unternehmen somit mit über 2 Milliarden Pfund bewertet – unter Einbeziehung der prognostizierten Nettoverschuldung für das aktuelle Jahr. Diese Offerte, welche bereits abgelehnt wurde, liegt 41 Prozent über dem Durchschnittspreis der letzten drei Monate, jedoch 15 Prozent unter dem letzten Angebot von Apollo, welches vor ziemlich genau einem Jahr zurückgezogen wurde. Ein neuerlicher Vorstoß von Sidara auf ähnlichem Niveau könnte für die geduldigen Aktionäre von Wood verlockend sein.

Trotz des Fortschritts bei der Unternehmenssanierung seit dem Rückzug von Apollo meldete Wood im ersten Quartal eine Steigerung des EBITDA um 4 Prozent, obwohl die Einnahmen im Jahresvergleich um 6 Prozent sanken – das Resultat einer Strategie, höhermargige Aufträge anzunehmen.

Doch der Weg zur Besserung ist steinig und uneben. So prognostiziert das Unternehmen, dass die Nettoverschuldung – Ende des vergangenen Jahres nahezu 1,1 Milliarden US-Dollar umfassend, inklusive Leasingverbindlichkeiten – bis Ende 2024 auf ähnlichem Niveau bleiben wird. Nach der Akquisition von Amec Foster Wheeler im Jahr 2017 kämpft Wood mit einem Schuldenberg und rechtlichen Altlasten und konnte die zugesagte Entschuldung nicht in der versprochenen Geschwindigkeit umsetzen.

Das Management hat bereits die Prognose für signifikanten positiven freien Cashflow um ein Jahr nach hinten verschoben – auf 2025. Der frisch gebackene Chief Financial Officer Arvind Balan, ehemals Finanzdirektor bei Rolls-Royce im Bereich Zivilaerospace, hat verbessertes Kapitalmanagement in Aussicht gestellt. Doch kulturelle Veränderungen, wie sie Balan vorsieht, benötigen Zeit.

Ein Übernahmeangebot, das sich an Apollos letzte Offerte anlehnt, würde Wood mit dem Siebenfachen des zukünftigen EBITDA-Multiples bewerten und erscheint im Vergleich zu anderen europäischen Ölfelddienstleistern angemessen. Die Geduld der Investoren wurde stark strapaziert, und man könnte Verständnis dafür aufbringen, wenn sie Wood in eine private Zukunft drängen würden – fernab der öffentlichen Wahrnehmung.