14. April, 2024

Politik

Bayern setzt strittiges Verbot gendergerechter Sprache in Kraft

Bayern setzt strittiges Verbot gendergerechter Sprache in Kraft

In einem aktuellen und weitreichenden Schritt hat Bayern nun offiziell den Gebrauch gendergerechter Sprache in Schulen und Behörden mit Hilfe von Sonderzeichen untersagt. Hessen zeigt sich ebenfalls entschlossen, diesem Beispiel zu folgen. Dieser Vorstoß, der von konservativen Kreisen befürwortet wird, hat eine lebhafte Debatte ausgelöst, die die Frage nach der Rolle des Staates in der Entwicklung der Sprache in den Vordergrund rückt. Vertreter:innen der rechten politischen Ecke, lange Zeit als Verfechter der These bekannt, Over-the-Top Feminist:innen suchten die deutsche Sprache zu diktieren, sehen in dieser Maßnahme die notwendige Abwehr einer vermeintlichen Bedrohung für die sprachliche Freiheit. Gegenüber steht die Ansicht, dass diese Änderung diejenigen ausschließt und einer Marginalisierung aussetzt, die sich nicht in den traditionellen Geschlechterkategorien wiederfinden.

Die Initiatoren des Verbots rechtfertigen ihre Entscheidung mit der Notwendigkeit, die Verständlichkeit der Sprache zu wahren und den Ausschluss derjenigen zu vermeiden, die keinen Bezug zu genderneutralen Formulierungen haben. Kritiker:innen dieser Sichtweise allerdings argumentieren genau umgekehrt: Das Nichtbeachten und Nichtansprechen von nichtbinären oder transidente Personen in der öffentlichen Kommunikation sei eine deutliche Form der Diskriminierung. Das Dilemma, das sich hier offenbart, ist als Ausdruck eines tiefgreifenden Kulturkampfes zu verstehen, der die Frage aufwirft, inwieweit staatliche Instanzen in die Evolution der Sprache einzuwirken vermögen oder sollten.

Die gesellschaftliche Diskussion verharrt indes in einer Pattsituation, wie auch bei anderen Reizthemen der aktuellen Zeit: In einer demokratischen Gesellschaft, so die verbreitete Auffassung, sollte der Staat keinen direkten Einfluss auf die Präferenzen der Bürger:innen nehmen, insbesondere wenn es um persönlichen und kulturellen Ausdruck geht. Stattdessen sei eine Atmosphäre der Toleranz und der Wahlfreiheit zu kultivieren, die es jeder und jedem erlaubt, in der gewünschten Form zu kommunizieren, ohne dass das Gefühl eines sprachlichen Zwangs aufkommt.