27. Mai, 2024

Wirtschaft

Baubranche im Warnstreik: Erster bundesweiter Ausstand seit 2002

Baubranche im Warnstreik: Erster bundesweiter Ausstand seit 2002

Erstmals seit 17 Jahren legen Bauarbeiter im Rahmen von Warnstreiks bundesweit die Arbeit nieder. Den Startschuss gibt Niedersachsen, wo heute der Arbeitskampf der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) eingeleitet wird, gefolgt von weiteren Regionen in den kommenden Tagen. Obgleich nicht flächendeckend, sondern vielmehr zielgerichtet, kündigt diese Aktion einen bedeutsamen Einschnitt in diverse Bauprojekte an. Robert Feiger, der Vorsitzende der IG BAU, positioniert sich eindeutig: "Wir gehen in die Offensive und stellen die Arbeitsabläufe auf Baustellen ein. Die Verantwortung für terminliche Einhaltungen liegt fortan bei den Arbeitgebern." Konkrete Angaben zu Umfang und Lokalität der Streiks wurden bisher nicht gemacht, jedoch steht fest, dass sowohl Straßenbau als auch private und gewerbliche Bauprojekte betroffen sein könnten. Uwe Nostitz, Verhandlungsleiter der Arbeitgeberseite, verweist auf die negative wirtschaftliche Folge und das ungünstige Timing der Streiks angesichts angespannter konjunktureller Lage. Dringend wird eine Lösung des Konflikts gefordert. Eine Sprecherin des Baugewerbe-Verbands Niedersachsen bestätigt indes die Vorbereitung ihrer Mitgliedsbetriebe auf die Streiks und äußert die Hoffnung auf Augenmaß seitens der Arbeitnehmer. Als Treiber des Ausstands gilt das Scheitern der Tarifschlichtung Anfang Mai. Hierbei spielten die Arbeitgeber in Niedersachsen eine Schlüsselrolle, da sie die Umsetzung des Schlichterspruchs blockierten. Das Vorschlagsmodell des Schlichters Rainer Schlegel, welches eine stufenweise Lohnerhöhung vorsah, wurde von den Arbeitgeberverbänden abgelehnt. Die IG BAU reagiert darauf mit der Rückkehr zu ihrer Ursprungsforderung von 500 Euro Gehaltserhöhung pro Monat. Kritische Töne kommen auch aus Reihen der Arbeitgeberverbände selbst, da insbesondere Verbände des Baugewerbes eine Einigung verhinderten, während Bauindustrieverbände ihr Einverständnis signalisierten. Der tarifliche Konflikt wird zusätzlich aufgeladen durch einen jüngst unterbreiteten Vorschlag der Arbeitgeberseite, die Löhne über das Maß des Angebots in den Tarifverhandlungen anzuheben. Die Branche, einst Stütze der deutschen Konjunktur, sieht sich nun in einer Krise, was nicht zuletzt am schwächelnden Wohnungsbau festgemacht wird. Dennoch bildet das Bauhauptgewerbe mit einem Jahresumsatz von rund 162 Milliarden Euro nach wie vor eine bedeutende wirtschaftliche Säule in Deutschland.