24. Mai, 2024

Wirtschaft

Bauarbeiterstreik nach 17 Jahren: Erste Welle von Warnstreiks rollt an

Bauarbeiterstreik nach 17 Jahren: Erste Welle von Warnstreiks rollt an

Der Bausektor verzeichnet bundesweit die ersten Arbeitsniederlegungen seit fast zwei Jahrzehnten. Über 1000 Beschäftigte in Niedersachsen setzten am Montag ein starkes Signal und legten die Arbeit nieder, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Die IG Bauen-Agrar-Umwelt unterstrich die Entschlossenheit ihrer Mitglieder durch eine zentrale Kundgebung mit 300 Teilnehmern in Osnabrück und eine zusätzliche Versammlung mit 150 Baugewerkschaftern in Langenhagen nahe Hannover. Die Streikwelle ist dabei nicht auf Niedersachsen beschränkt: Für den folgenden Tag ist eine Ausweitung der Streiks auf weitere Bundesländer geplant, mit punktuellen Aktionen, die sich über das gesamte Land erstrecken sollen.

Auslöser der Streiks ist der geplatzte Tarifvertrag im Bauhauptgewerbe, nachdem die dritte Verhandlungsrunde zu keiner Einigung führte. Der Vermittlungsversuch von Schlichter Rainer Schlegel, mit zweistufigen Lohnerhöhungen – einer sofortigen Pauschalerhöhung um 250 Euro, gefolgt von einer weiteren Anhebung um mehr als vier Prozent nach elf Monaten – fand zwar die Zustimmung der Gewerkschaft, scheiterte aber an der Ablehnung durch die Arbeitgeberverbände Anfang Mai. Infolgedessen fordern die Streikenden nun erneut die ursprüngliche Erhöhung von 500 Euro pro Monat. Niedersachsen wurde als Startpunkt für den bundesweiten Streik gewählt, weil die dortigen Arbeitgeber federführend bei der Blockade der Schlichtungsempfehlung waren.

Die derzeitigen Arbeitskämpfe sind die ersten von solch einer Tragweite seit dem Jahr 2002; zuletzt gab es 2007 lediglich regionale Streiks in den Bundesländern Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Aktuelle Entwicklungen könnten einen prägenden Einfluss auf die Lohnverhandlungen im deutschen Bauhauptgewerbe haben und setzen ein deutliches Zeichen in der Tariflandschaft.