19. Mai, 2024

Wirtschaft

Bauarbeiter im Ausstand: Streiks im Bauhauptgewerbe starten in Niedersachsen

Bauarbeiter im Ausstand: Streiks im Bauhauptgewerbe starten in Niedersachsen

Mit Beginn der neuen Woche ist der Baubranche in Deutschland eine Zerreißprobe gewiss: Für Montag kündigt die Industriegewerkschaft Bauen Agrar Umwelt (IG BAU) Arbeitsniederlegungen an, die zunächst die niedersächsischen Gefilde betreffen werden. Ein Sprecher der Organisation zwirbelt den Finger auf die Karte und deutet auf das Bundesland als den Ausgangspunkt der bevorstehenden Streiks. Ein Paradebeispiel der Auseinandersetzung: Osnabrück wird Zentrum einer Kundgebung sein. Die IG BAU bringt den Ball ins Rollen und setzt damit eine deutschlandweite Welle von Streikaktionen im gesamten Bauhauptgewerbe, welches fast eine Million Mitarbeiter zählt, in Gang.

Die Funken der Tension entzündeten sich zuvor bei der Handhabung des Schlichterspruches durch gewisse Arbeitgeberregionen, Niedersachsen eingeschlossen. Der vorgebrachte Friedensvorschlag des ehemaligen Chefs des Bundessozialgerichts, Rainer Schlegel, fand bei diesen keine Gegenliebe. Schlegels Rezept: eine unverzügliche Pauschalerhöhung der Bezahlung um 250 Euro, gefolgt von weiteren Zulagen nach elf Monaten. Die Gewerkschaft nickte zustimmend, während die Arbeitgeber keine Unterschrift setzten und von formalen Defiziten sowie ungenügender Rücksicht auf die wirtschaftliche Realität der Branche sprachen.

In einem frischen Zuge der Vermittlung präsentieren der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) ins Auge gefasste Lohnsteigerungen – 5 Prozent für den Westen, 6 Prozent für den Osten und ein einheitliches Stundenlohnminimum von 14 Euro ab Mai. Diese Angebote sind zwar großzügiger als frühere, scheinen aber die Gewerkschaft nicht gänzlich zu besänftigen.

Skeptisch kommentiert dabei der HDB-Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller die Arbeitsausstände und spricht von Schaden und Unverzichtbarkeit der Beschäftigten, indessen betont der Gewerkschaftsvorsitzende Robert Feiger die Kosten, die auf die Unternehmen zukämen, wenn deren zugetane Ohren die Forderungen nicht erfüllten. Die Schlichtung: eine gescheiterte Verhandlungen bereits vorgesehene Maßnahme, verkündet nach drei Runden stagnierter Gespräche.

Die Bauwirtschaft stellt nicht nur einen der größten Arbeitgeber des Landes dar, sondern war auch eine tragende Konjunkturstütze. Heute jedoch, mit Umsatzzahlen von circa 162 Milliarden Euro im Jahr 2023, steht die Bauindustrie unter dem Damoklesschwert einer angespannten Wohnungsbaukrise.