22. April, 2024

Wirtschaft

Barrieren im Berufsalltag: ReiColor zeigt Engagement für Inklusion

Barrieren im Berufsalltag: ReiColor zeigt Engagement für Inklusion

In Altdorf bei Nürnberg meistert die ReiColor-Mitarbeiterin Eva Lenz täglich buchstäbliche und übertragene Hürden: Die schmale Treppe zur Chefetage ist für ihren Rollstuhl unüberwindlich. Doch Lenz lässt sich nicht beirren und nutzt stattdessen die barrierefreien Routen über das Nachbargebäude – ein kleiner Umweg für die motivierte Angestellte auf dem Weg zur Arbeit, die ihr Freude bereitet. Geschäftsführer Jürgen Reitenspies anerkennt zwar die Unvollkommenheit der Lösung, aber das hinderte ReiColor nicht daran, die notwendigen Anpassungen vorzunehmen, um einen Arbeitsplatz für Lenz zu schaffen.

Diese proaktive Einstellung gegenüber Mitarbeitern mit Behinderung ist in der deutschen Arbeitswelt eher die Ausnahme als die Regel. Laut Christoph Beyer von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter erfüllen viele Unternehmen trotz gesetzlicher Verpflichtungen nicht die Quote für die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen. Es wird davon ausgegangen, dass rund ein Viertel dieser Arbeitgeber keine schwerbehinderten Personen beschäftigt, was sie zur Zahlung einer Ausgleichsabgabe an die Integrationsämter verpflichtet. Die jüngste Erhöhung dieser Gebühr soll Unternehmen zusätzlich anspornen, ihren sozialen Verpflichtungen nachzukommen.

Das Thema Inklusion auf dem Arbeitsmarkt wird durch den wirtschaftlichen Abschwung weiter verkompliziert, wie das Handelsblatt Research Institute berichtet. Trotz guter Qualifikation bleiben Menschen mit Behinderung oft unberücksichtigt – eine vertane Chance für Unternehmen, die zum einen auf kompetente Fachkräfte verzichten, zum anderen erhöhte Abgaben zahlen müssen.

Christina Marx von Aktion Mensch weist auf Vorurteile hin, die im Weg stehen und betont die Notwendigkeit von persönlichem Kontakt, um Ängste und Unsicherheiten abzubauen. Doch es gibt auch Positivbeispiele: Franziska Sgoff, von Geburt an blind, berät bei Microsoft München Geschäftskunden zur Barrierefreiheit in digitalen Technologien – ein Engagement, das Hoffnung macht. Damit solche Erfolgsgeschichten keine Einzelfälle bleiben, etablierten die Integrationsämter einheitliche Ansprechstellen für Arbeitgeber, um beim Einstellungsprozess behinderter Menschen zu helfen.

Ein Patentrezept für vollkommene Inklusion gibt es nicht, aber innovative Ideen und positive Beispiele senden ermutigende Signale an Arbeitgeber und Arbeitssuchende gleichermaßen. Die Eigeninitiative und das Können von Menschen wie Lenz und Sgoff stärken die Hoffnung auf einen inklusiveren Arbeitsmarkt.