15. Juli, 2024

Technologie

Barrierefreiheit in deutschen Webshops bleibt hinter Erwartungen zurück

Barrierefreiheit in deutschen Webshops bleibt hinter Erwartungen zurück

Eine aktuelle Studie von Google, der Förderorganisation "Aktion Mensch" und der Stiftung Pfennigparade hat aufgedeckt, dass nur ein Fünftel der meistbesuchten Webshops in Deutschland zumindest teilweise barrierefrei ist. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil damit gesunken: 2023 waren es noch 25 Prozent der populären Online-Shops.

Von den insgesamt 71 untersuchten Websites konnten nur 15 ohne Maus über die Tastatur navigiert werden. Die Tastaturbedienbarkeit ist besonders wichtig für viele Menschen mit Behinderung, um eine barrierefreie Nutzung zu gewährleisten. Doch auch andere Probleme traten auf: So fehlt den meisten getesteten Websites ein sichtbarer Tastaturfokus, was Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen das Erkennen des aktuell ausgewählten Elements erschwert.

Darüber hinaus arbeiten viele Webshops ohne deutliche Kontraste, was sowohl die Lesbarkeit von Texten als auch das Identifizieren wichtiger Symbole beeinträchtigt. Eine weitere Hürde ist die unlogische Tab-Reihenfolge, die es Nutzerinnen und Nutzern mit Behinderung erschwert, effizient zu navigieren und Informationen über Produkte zu erhalten. Eingeblendete Inhalte wie Banner oder Cookie-Hinweiskästen verdecken den Hauptinhalt der Webseite und lassen sich oft nicht problemlos schließen.

Die Testergebnisse wurden von geschulten Testerinnen und Testern mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen ermittelt und durch die Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik (BFIT-Bund) fachlich begleitet.

Christina Marx, Sprecherin der Aktion Mensch, unterstrich: "Es ist an der Zeit, digitale Barrieren abzubauen - zumal es in einem Jahr keine Ausreden mehr gibt." Sie wies darauf hin, dass viele Unternehmen durch nicht barrierefreie Websites potenzielle Kundinnen und Kunden ausschließen. "Es liegt also auch in ihrem eigenen Interesse, dies zu ändern. Denn von einem einfachen und komfortablen Zugang zu Webseiten profitieren alle."

Auf der Pressekonferenz betonten die Organisationen die Verpflichtungen gemäß der EU-Richtlinie zur digitalen Barrierefreiheit. Diese schreibt vor, dass der gesamte Online-Handel in einem Jahr vollständig barrierefrei gestaltet sein muss.