29. Februar, 2024

Wirtschaft

Balanceakt im Handel: Lieferkettengesetz gegen globale Marktverwerfungen

Balanceakt im Handel: Lieferkettengesetz gegen globale Marktverwerfungen

Während die deutsche Wirtschaft die Bedeutung des Lieferkettengesetzes und dessen Zielsetzung klar versteht, verwischt bei genauerer Betrachtung die Grenze zwischen ethischen Notwendigkeiten und ökonomischer Praktikabilität. Das deutsche Gesetz, das Kinderarbeit und Ausbeutung entgegenwirken soll, stellt aktuell eine nationale Regelung dar und betrifft weniger Unternehmen als eine potenzielle europäische Regelung. Einhergehend mit geringeren Haftungsrisiken könnte dies in der Tat einen Wettbewerbsnachteil für heimische Firmen darstellen, insbesondere im Vergleich zu internationalen Konkurrenten mit weniger strikten Vorschriften.

Die Debatte erfährt eine Wendung durch den Gedanken, dass eine Harmonisierung der Regelungen auf EU-Ebene diesem Ungleichgewicht entgegenwirken könnte. Ein Ansatz zur Abmilderung von Doppelbelastungen, die aus der Geltung beider Regelungen - der nationalen und der europäischen - entstehen, wurde bereits ins Spiel gebracht. Arbeitsminister Heils Vorschlag könnte in dieser Gemengelage den Grundstein für einen Kompromiss legen, der die Interessen der Wirtschaft nicht aus den Augen verliert und den humanitären Imperativ nicht untergräbt. Denn nur durch ein Gleichgewicht der Kräfte kann sowohl die Wettbewerbsfähigkeit als auch die Einhaltung von Menschenrechten gesichert werden.