18. Juli, 2024

Wirtschaft

Auslauf des Nebenkostenprivilegs: Kabel-TV-Kunden müssen umdenken

Auslauf des Nebenkostenprivilegs: Kabel-TV-Kunden müssen umdenken

Nach vier Jahrzehnten endet am Montag eine Regelung, durch die rund 12 Millionen deutsche Haushalte ihren Fernsehzugang über die Miete finanzierten. Ab dem 1. Juli dürfen Vermieter die Kosten für das Fernsehsignal nicht mehr über die Nebenkosten einziehen. Mieter müssen nun eigene Verträge abschließen oder freiwillig an neuen Sammelverträgen teilnehmen.

Dieses „Nebenkostenprivileg“ wurde bereits 2021 abgeschafft, und die Übergangsfrist läuft jetzt aus. Für Kabelnetzbetreiber wie Vodafone und Tele Columbus bedeutet dies einen signifikanten Einschnitt. Vodafone hat für das erste Quartal 2024 bereits deutliche Kundenverluste berichtet, während Tele Columbus nur moderate Verluste erwartet. "Der größte Teil der jetzigen TV-Kunden wird bei uns bleiben," sagte Sebastian Artymiak, Sprecher von Tele Columbus.

Viele Haushalte setzen inzwischen auf Internet-TV-Angebote wie Magenta TV von der Deutschen Telekom sowie Online-Dienste wie Zattoo und waipu.tv. Laut einer Marktstudie der Landesmedienanstalten stieg der Anteil der Haushalte, die Fernsehen über das Internet schauen, im vergangenen Jahr auf 20 Prozent. Der Anteil an Kabelfernsehen sank auf 37 Prozent, während Satellitenempfang konstant blieb. Antennen spielen nur noch eine Nebenrolle.

Die meisten Vermieter haben bereits ihre Sammelverträge zum 1. Juli gekündigt. Mieter müssen daher individuelle Verträge abschließen oder sich neuen Sammelverträgen anschließen, die separat zur Miete bezahlt werden. Einige Vermieter haben ihre Verträge bereits vorzeitig aufgelöst, was dazu führte, dass einige Mieter möglicherweise weiter fernsehen, obwohl sie keine neuen Verträge haben. Sperrungen von Anschlüssen können nur manuell vor Ort durchgeführt werden.

Tele-Columbus-Sprecher Artymiak betonte, dass die Kunden umfassend informiert wurden. „Wer nicht zahlt und das TV-Signal trotzdem nutzt, dessen Anschluss wird in den nächsten Wochen abgeschaltet," sagte er. Vodafone hat bereits in über 60 Städten und Gemeinden punktuelle Sperrungen durchgeführt. Es werde keinen „harten Schnitt“ Anfang Juli geben, sagte Vodafone-Manager Marc Albers, doch sollten sich die Kunden schnell um neue Verträge kümmern.

Durch die Gesetzesänderung könnten Kabelkunden künftig etwas mehr zahlen müssen. Bisher lagen die monatlichen Kosten bei Vodafone zwischen sieben und neun Euro, künftig könnten es acht bis zehn Euro sein. Individuelle Verträge könnten knapp 13 Euro kosten. Ähnliche Preisspannen gelten bei Tele Columbus. Unter Umständen könnten Bündelprodukte aus TV, Festnetz-Telefon und Internet sogar günstiger kommen. Ein Beispiel aus Berlin zeigt, dass ein Kunde nun monatlich 50 Euro für einen neuen Bündelvertrag zahlt, was ihn 50 Cent weniger kostet als seine bisherigen Verträge zusammen.