Die Börse reagiert gnadenlos auf verfehlte Analystenerwartungen
Trotz eines Rekordgewinns von 6,1 Milliarden Euro im Jahr 2025 kennt der Kurs der Munich Re aktuell nur eine Richtung: abwärts. Via XETRA verlor das Papier zuletzt gut zwei Prozent auf 541,20 Euro und markierte damit das Schlusslicht im DAX. Im Jahresvergleich liegt der Wert nun rund vier Prozent im Minus.
Zwar wurde das eigene Gewinnziel übertroffen, doch die extrem optimistischen Prognosen der Marktbeobachter wurden verfehlt. Der Überschuss kletterte um sieben Prozent, doch das reicht den Investoren in einem sich wandelnden Marktumfeld offensichtlich nicht mehr aus. Die Marktkapitalisierung leidet unter der Sorge vor sinkenden Margen.

Die Preismacht der Rückversicherer bröckelt im wichtigen Januar-Geschäft
Jahrelang konnten Anbieter wie Munich Re, Allianz und Generali die Preise diktieren. Dieser Trend ist nun offiziell gebrochen. Bei der entscheidenden Vertragserneuerung Anfang 2026 musste ein Preisrückgang von 2,5 Prozent hingenommen werden – bereits bereinigt um Inflation und veränderte Risiken.
Um die Rentabilität zu schützen, zog das Management die Reißleine beim Volumen. Das erneuerte Prämienvolumen schrumpfte drastisch um fast acht Prozent auf 13,7 Milliarden Euro, da man bewusst auf unrentables Geschäft verzichtete. Dies deutet auf einen härter werdenden Wettbewerb hin.
„Wir sehen weiterhin robuste und gesunde Margen in den erneuerten Verträgen“, so Vorstandschef Christoph Jurecka.
Besonders im Bereich der Naturkatastrophen gingen die Prämien um etwa sechs Prozent zurück. Dies deckt sich mit Berichten der Hannover Rück und Ratingagenturen, die bereits vor einer Marktwende gewarnt hatten. Der Zyklus der „Hard Market“-Phase scheint seinen Zenit überschritten zu haben.
Teure Naturkatastrophen belasten die Bilanz trotz glimpflichem Jahresausgang
Die Waldbrände in Los Angeles entwickelten sich zur teuersten Feuerkatastrophe der Geschichte. Für die gesamte Branche entstanden Schäden von rund 40 Milliarden US-Dollar. Die Munich Re musste hierfür 800 Millionen Euro in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung verbuchen.
Dass das Jahresziel dennoch erreicht wurde, liegt am Ausbleiben weiterer schwerer Hurrikans in der zweiten Jahreshälfte. Für 2026 wird ein Gewinnanstieg auf 6,3 Milliarden Euro anvisiert, getrieben durch positive Entwicklungen in der Lebens- und Kranken-Rückversicherung sowie dem Direktgeschäft.
Ein striktes Sparprogramm fordert tausende Arbeitsplätze bei der Tochter Ergo
Um die Gewinne langfristig zu sichern, verordnet der Konzern eine harte Effizienzkur. Bis 2030 sollen die Kosten um 600 Millionen Euro gesenkt werden. Der Fokus liegt dabei auf der Erstversicherungstochter Ergo, deren Gewinnbeitrag bei rund 900 Millionen Euro stagniert.
Die Maßnahmen sind drastisch: Rund 1.000 Arbeitsplätze sollen abgebaut werden, während gleichzeitig massiv in Künstliche Intelligenz investiert wird. Effizienzsteigerung steht über Personalwachstum.
Aktionäre werden unterdessen mit Kapital verwöhnt, um den Kurs zu stützen. Die Dividende steigt um 20 Prozent auf 24 Euro je Aktie, flankiert von einem massiven Aktienrückkaufprogramm über bis zu 2,25 Milliarden Euro bis zur Hauptversammlung 2027.


