14. April, 2024

Unternehmen

Investitionsflaute: Handwerk vor dem Kollaps?

Trotz prall gefüllter Auftragsbücher kämpft das Handwerk mit einer düsteren Geschäftslage – eine Spurensuche hinter den Kulissen.

Investitionsflaute: Handwerk vor dem Kollaps?
Volle Bücher, leere Kassen: Wie Papierkrieg das Handwerk erstickt.

Es könnte so gut laufen im Handwerk: Die Auftragsbücher sind voll, die Nachfrage hoch. Doch die Stimmung in den Werkstätten und Büros ist alles andere als rosig. Viele Handwerker blicken sorgenvoll in die Zukunft. Was steckt dahinter?

Selbst Fachleute können ihren Kunden kaum noch langfristige Empfehlungen geben. Die Unsicherheit über künftige Energiepreise und politische Entscheidungen macht jede Planung zur Herausforderung. Kunden zögern, große Investitionen zu tätigen – und das wirkt sich direkt auf das Geschäft aus.

Eine Branche im Abwärtstrend

Eine aktuelle Umfrage der Wirtschaftsauskunftei Creditreform malt ein düsteres Bild: Die Geschäftslage vieler Handwerksbetriebe ist so schlecht wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr.

Über 4000 Insolvenzen im letzten Jahr und eine wachsende Zahl von Betrieben, die mit sinkenden Umsätzen rechnen, zeichnen ein Bild von einer Branche unter Druck.

Investitionszurückhaltung auf Rekordtief

Die Bereitschaft, in die eigene Firma zu investieren, sinkt dramatisch. Weniger als die Hälfte der Betriebe plant Investitionen – ein Tiefstand, den es seit zwanzig Jahren nicht gab. Diese Zurückhaltung könnte langfristige Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft des Handwerks haben.

Lichtblick Kfz-Gewerk

Nicht alle sind gleichermaßen betroffen: Das Kfz-Gewerk sticht als positiver Ausreißer hervor. Hier bewerten fast zwei Drittel der Betriebe ihre Geschäftslage als gut. Gründe dafür sind ein gestiegener Fahrzeugbestand und höhere Umsätze im Service- und Reparaturgeschäft.

Planungssicherheit als Schlüsselproblem

Der Hauptgrund für die gedämpfte Stimmung im Handwerk ist die fehlende Planungssicherheit. Kommunale Wärmeplanungen lassen auf sich warten, und Hauseigentümer wissen nicht, ob und wie sie ihre Gebäude an klimafreundliche Wärmeversorgungen anschließen können. Dieses Vakuum an Informationen führt zu einer Investitionsbremse, die das Handwerk schwer belastet.

Ein Silberstreifen am Horizont ist die jüngste Änderung in der Förderpolitik: Hauseigentümer können nun Förderanträge für den Heizungstausch stellen. Dies könnte endlich den nötigen Anstoß geben, um Investitionen in nachhaltige Heizungssysteme anzukurbeln. Doch die Frage bleibt, ob dies ausreicht, um die tiefgreifenden Probleme des Handwerks zu lösen.

Der Kern des Problems: Bürokratie

Ein wesentlicher Faktor, der das Handwerk in die Enge treibt, ist die zunehmende Bürokratie. Die Komplexität und der Aufwand für die Beantragung von Fördermitteln haben ein Maß erreicht, das selbst für Fachleute kaum noch zu bewältigen ist.

Patrick-Ludwig Hantzsch von Creditreform bringt es auf den Punkt: Das Handwerk fühlt sich nicht nur belastet, sondern regelrecht erdrückt von den administrativen Anforderungen.

Forderung nach politischer Einbindung

Was also ist die Lösung? Eine stärkere Einbindung des Handwerks in politische Entscheidungsprozesse könnte ein Schlüssel sein. Das Handwerk verlangt nach Verlässlichkeit und Planungssicherheit – beides Grundvoraussetzungen, um die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen meistern zu können.