22. Juli, 2026

KI

75.000 KI-Songs täglich: GEMA-Chef warnt vor Verwässerung des Musikmarkts

GEMA-Chef Tobias Holzmüller im Interview über die explosiven Klagen gegen OpenAI und Suno, die Risiken für Künstler und rote Linien, die die Verwertungsgesellschaft nicht überschreitet.

75.000 KI-Songs täglich: GEMA-Chef warnt vor Verwässerung des Musikmarkts
Der GEMA-Chef pocht auf faire Bezahlung für Künstler bei KI-Musik – und signalisiert Bereitschaft zu regulierten KI-Lösungen auf etablierten Plattformen.

Die alarmierende Flut: 75.000 KI-generierte Songs pro Tag

Die Musikindustrie steht unter Druck wie selten zuvor. Mit 75.000 KI-generierten Songs, die täglich auf Streaming-Plattformen hochgeladen werden, sieht die GEMA eine existenzielle Bedrohung für Künstler und das traditionelle Musik-Ökosystem. Diese Zahl ist nicht einfach eine statistische Randnotiz – sie verdeutlicht die Geschwindigkeit, mit der künstliche Intelligenz den Markt überfluten kann. Im Gespräch mit InvestmentWeek warnt GEMA-Chef Tobias Holzmüller vor einer schleichenden Entwertung kreativer Arbeit und erklärt, warum die Verwertungsgesellschaft nun zu drastischen Mitteln greift.

Die Dimension des Problems wird deutlich, wenn man die Zahlen ins Verhältnis setzt: Pro Jahr könnten das 27 Millionen KI-generierte Titel sein. Zum Vergleich: Spotify addiert nach eigenen Angaben jährlich etwa 9 Millionen neue Songs hinzu. Die KI-Flut ist also dreimal so groß wie das gesamte organische Wachstum der weltgrößten Streaming-Plattform. Für etablierte Künstler und Komponisten bedeutet dies eine dramatische Sichtbarkeitskrise – ihre Werke verschwinden buchstäblich im Rauschen der Algorithmen.

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Klagen gegen OpenAI und Suno: Der Kampf um Trainings-Daten

Im Zentrum des Konflikts steht die Frage, wie KI-Modelle trainiert werden. Die GEMA verklagt OpenAI und das AI-Music-Start-up Suno, weil sie mutmaßlich urheberrechtlich geschützte Musik ohne Lizenzierung für das Training ihrer Systeme genutzt haben. Dies ist nicht bloß eine juristische Spitzfindigkeit – es geht um die fundamentale Frage, ob die Musikindustrie die Kontrolle über ihr eigenes Datenerbe behält oder ob KI-Konzerne dieses einfach absorbieren können.

Holzmüller betont in dem Interview, dass die GEMA dabei nicht grundsätzlich gegen KI-Technologie ist. Stattdessen möchte die Verwertungsgesellschaft sicherstellen, dass Künstler und Rechteinhabern für die Nutzung ihrer Werke angemessen entschädigt werden – genau wie bei jedem anderen kommerziellen Einsatz. Die Klagen sind damit auch ein Test: Sie werden zeigen, wie Gerichte in Deutschland und möglicherweise der EU die Balance zwischen Technologie-Innovation und Künstler-Schutz bewerten.

Spotify, Apple Music und die neuen KI-Features: Chancen unter Bedingungen

Interessanterweise sieht Holzmüller auch Potenziale bei KI-gestützten Musik-Tools auf etablierten Plattformen wie Spotify oder Apple Music. Hier könnten Nutzer ihre eigenen Musiken kreieren, ohne dabei bestehende Werke zu kopieren. Die GEMA würde solche Anwendungen nicht ablehnen – sofern sie transparent sind und entsprechende Lizenzen greifen.

Der entscheidende Unterschied: Während Suno und ähnliche Tools den Anschein erwecken, dass jeder Nutzer im Sekundentakt professionell klingende Musikstücke generieren kann, würde eine KI-Integration bei etablierten Streaming-Diensten unter regulatorischen Bedingungen stattfinden. Plattformen wie Spotify verfügen bereits über Lizenzverträge mit der GEMA und anderen Verwertungsgesellschaften – KI-Features könnten in diese Verträge integriert werden. Dies wäre ein Modell, das sowohl Kreativität als auch wirtschaftliche Gerechtigkeit schützt.

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Unverhandelbare rote Linien der GEMA

Was die GEMA kategorisch ablehnt, ist eine Situation, in der KI-Systeme kostenlos trainiert werden, ohne dass Künstler einen Cent erhalten. Auch eine "Künstler-Klausel", nach der menschliche Musiker von KI-generierten Inhalten verdrängt würden, kommt für Holzmüller nicht infrage. Die Verwertungsgesellschaft sieht ihre Aufgabe darin, ein Fairness-Ökosystem zu etablieren, in dem Innovation und Künstler-Rechte koexistieren können.

Für Investoren und Börsianer ist dies besonders relevant, weil es um die Zukunftsfähigkeit großer Musik-Konzerne geht. Ein Sieg der GEMA in den Klagen gegen OpenAI und Suno könnte Unternehmen wie Universal Music Group, Sony oder Spotify langfristig stabilisieren – indem es verhindert, dass ihre gesamte Musikbibliothek kostenlos für KI-Training aufgesaugt wird. Umgekehrt könnte eine Niederlage die Musikindustrie unter enormen Druck setzen und zu einer radikalen Preisanpassung bei Künstler-Tantiemen führen.