29. August, 2025

Reichtum

27,5 Prozent in 200 Tagen – was unser Nebenwerte-Experiment verrät

60 Aktien, gleiche Gewichtung, kein Stock-Picking: Ein simples Musterdepot mit Titeln der Hamburger Investorentage liefert in nur 200 Tagen eine Rendite von 27,5 Prozent. Doch wie nachhaltig ist dieser Erfolg?

27,5 Prozent in 200 Tagen – was unser Nebenwerte-Experiment verrät
Neue Hoffnung im Segment: Nach Jahren der Flaute schöpfen Investoren wieder Vertrauen in Small- und Mid-Caps – das Umfeld geopolitischer Umbrüche spielt ihnen in die Karten.

Ein Experiment mit klarer Ansage

Nebenwerte gelten vielen Investoren als Nischenprodukt – spannend, aber oft auch riskant. Umso bemerkenswerter ist das Ergebnis eines Experiments, das die InvestmentWeek-Redaktion nach der 13. Auflage der Hamburger Investorentage (HIT) gestartet hat.

HIT - Hamburger Investorentage
Zweimal jährlich treffen auf den Hamburger Investorentagen (HIT) ausgewählte Emittenten und spezialisierte Investoren aufeinander.

Die Idee war schlicht: In alle 60 präsentierten Small- und Mid-Caps jeweils 1.000 Euro investieren, ohne Auswahl, ohne Gewichtung. Insgesamt also 60.000 Euro – verteilt über Branchen von Maschinenbau bis Medizintechnik.

200 Tage später zeigt der Depotstand: 76.477,22 Euro. Ein Zuwachs von 27,46 Prozent. Damit schlägt das Experiment nicht nur die gängigen Benchmarks – Fonds für deutsche Small- & Mid-Caps liegen im Schnitt bei rund +11 Prozent, europäische Pendants bei +5 Prozent – sondern auch fast alle professionellen Produkte dieser Kategorie.

Klare Muster bei den Gewinnern

Die größten Kurstreiber sind kaum überraschend: Unternehmen mit Bezug zu Verteidigung, Sicherheit und Infrastruktur. Steyr Motors legte 252 Prozent zu, Electro Optic Systems 234 Prozent, SBF 138 Prozent. Aber auch Titel wie Alzchem, Ceotronics, Deutz, Strabag, Palfinger, Daldrup & Söhne und Porr profitierten kräftig.

Der Trend ist klar: Während Konsumwerte und Medienhäuser schwächeln, ziehen Firmen mit Fokus auf Energie, Bau und Rüstung die Performance nach oben. Ein Spiegel der geopolitischen und wirtschaftlichen Großwetterlage.

Schwache Konsumwerte: Takkt (-45 %), Verve Group (-37 %) und Evotec (-30 %) zeigen, wie stark zyklische Geschäftsmodelle in schwachen Konjunkturphasen unter Druck geraten.

Die andere Seite der Medaille

Denn auch das gehört zur Wahrheit: 23 der 60 Depotwerte liegen im Minus. Takkt verlor 45 Prozent, Verve Group 37 Prozent, Evotec 30 Prozent. Betroffen sind vor allem zyklische Konsumwerte und Medienunternehmen, die stärker unter schwacher Nachfrage leiden.


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Analysten verweisen auf die Natur dieser Geschäftsmodelle: Oft kommen die Impulse spät im Konjunkturzyklus an. In der aktuellen Gemengelage – hohe Zinsen, verhaltene Konsumstimmung – bleiben diese Titel zurück.

Ein Markt kehrt zurück ins Rampenlicht

Trotz der Schattenseiten zeigt sich ein übergeordnetes Muster: Nach Jahren der Schwäche schöpfen Investoren bei Nebenwerten wieder Hoffnung. „Das ist das erste Jahr seit Langem, in dem der Markt für Small- und Mid-Caps neues Vertrauen zeigt“, heißt es aus Analystenkreisen.

Die Mischung aus geopolitischen Umbrüchen, staatlichen Investitionsprogrammen und einem wachsenden Interesse institutioneller Anleger sorgt dafür, dass das Segment wieder Beachtung findet – und Outperformance möglich wird.

Ausblick: Nächstes Kapitel folgt sofort

Das Experiment ist noch lange nicht abgeschlossen. Am 27. und 28. August findet die nächste Ausgabe der Hamburger Investorentage statt. Erneut stellen sich 60 Unternehmen vor – fast alle bislang unberührt vom Musterdepot.

Ob die Erfolgsserie anhält, bleibt offen. Aber schon jetzt zeigt sich: Ein einfacher, gleichgewichteter Ansatz kann im richtigen Umfeld außergewöhnliche Ergebnisse liefern – gerade dort, wo viele Investoren Komplexität und Risiko wittern.

Disclaimer:
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die InvestmentWeek liefert Analysen und Hintergründe zu aktuellen Markttrends, übernimmt jedoch keine Haftung für Anlageentscheidungen. Anleger sollten stets ihre individuelle Situation prüfen und gegebenenfalls professionellen Rat einholen.