Unmittelbar nach dem Absturz eines aserbaidschanischen Passagierflugzeugs in Kasachstan sind die internationalen Spannungen hochgekocht. Sowohl die USA als auch Aserbaidschan schließen einen Fehlschuss der russischen Flugabwehr als Ursache für das Unglück nicht aus. Dies berichteten übereinstimmend die Sender CNN und ABC News, unter Berufung auf US-Regierungskreise. Erste Hinweise deuten demzufolge auf einen versehentlichen Abschuss hin, als schlecht ausgebildete russische Einheiten womöglich das Ziel verfehlten.
Der Absturz nahe Aktau am Kaspischen Meer forderte 38 Menschenleben, während 29 Menschen verletzt überlebten. Die Embraer 190 gehörte zur Flotte von Azerbaijan Airlines und befand sich auf dem Weg von Baku nach Grosny in Tschetschenien. An jenem Morgen war die russische Flugabwehr in der Region wegen ukrainischer Drohnen aktiv.
Berichte von Militärbloggern und Flugzeugtrackern wie Flightradar24 stellten fest, dass die GPS-Daten des Flugzeugs über Russland gestört wurden. Überreste der Maschine zeigten Spuren, die auf Beschädigungen durch Splitter von Flugabwehrraketen hindeuten.
Der Kreml warnte vor voreiligen Spekulationen, während aserbaidschanische Vertreter die Theorie eines Abschusses durch eine russische Rakete Panzir-S verbreiteten. Angeblich wurde der Crew eine Notlandung in Russland aufgrund schlechten Wetters verweigert, weshalb sie die beschädigte Maschine über das Kaspische Meer nach Aktau lenken mussten.
Aserbaidschanische Rettungseinsätze brachten Überlebende nach Baku zurück. Die israelische El Al setzte vorsorglich Flüge nach Moskau aus, während russische Medien das Thema weitgehend ignorierten.
Historische Parallelen zum Abschuss der Malaysia Airlines Boeing 2014 sind unübersehbar. Doch im Gegensatz zur damaligen Situation gibt es heute überlebende Zeugen. Die geopolitische Konstellation ist auch anders, da Aserbaidschan und Kasachstan als Verbündete Moskaus gelten. Während Aserbaidschan unabhängiger auftreten kann, agiert das an Russland grenzende Kasachstan vorsichtiger.