Die deutschen Handelsketten setzen immer stärker auf ihre Apps, um Kunden anzulocken und zu binden. Große Namen wie Lidl, Rewe und Penny bieten verlockende Rabatte, jedoch oft nur für Nutzer ihrer Apps. Die Kunden gewähren im Gegenzug wertvolle Daten, welche den Händlern helfen, Kaufverhalten besser zu verstehen und ihr Angebot entsprechend zu gestalten. Professor Carsten Kortum von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn sieht hierin eine Strategie der Kundenbindung, die sich zunehmend durchsetzt.
Ein bemerkenswertes Beispiel ist die kürzlich eingeführte Dubai-Schokolade von Lidl, die für App-Nutzer deutlich günstiger ist. Solche exklusiven Angebote sind für Händler attraktiv, da sie nicht nur mehr Kunden anziehen, sondern auch wertvolle Einblicke in deren Vorlieben bieten. Bonusprogramme sind hierzulande weit verbreitet: Mehr als vier von fünf deutschen Kunden nutzen sie, so das Handelsforschungsinstitut IFH.
Der Marktwettbewerb spitzt sich zu, auch hypersensible Kunden suchen nach Preisen, die ihr Budget schonen. Laut einer Branchenumfrage plant die Rewe-Gruppe, sich von Payback zu verabschieden und eigene Bonusprogramme zu initiieren. Durch solche Schritte spart Rewe erhebliche Kosten, dennoch bleibt fraglich, ob die Kunden dem Wechsel folgen werden. Rewes Entscheidung, aus dem Payback-Programm auszusteigen, eröffnet neue Chancen, aber auch Risiken – die Konkurrenz schläft nicht. Edeka und Netto werden zukünftig mit Payback kooperieren, was den Wettbewerb weiter anheizt.
Eine wachsende Herausforderung für Händler ist das sogenannte "Shop-Hopping", das bevorzugte Einkaufsverhalten vieler Kunden, die mehrere Geschäfte besuchen. Die fixierte Loyalität gegenüber einer einzigen Kette schwindet, während Bonusprogramme durchaus den Kaufanreiz erhöhen können. Fast 56 Prozent der Nutzer bevorzugen Händler, bei denen sie regelmäßig Vorteile erhalten.
Innovative Technologien wie künstliche Intelligenz stehen im Fokus zukünftiger Entwicklungen. So integriert die niederländische Supermarktkette Albert Heijn bereits eine KI in ihre App, um Kunden bei ihrer Kaufauswahl und mit Rezeptideen zu unterstützen. Auch in Deutschland zeigt sich eine Offenheit für KI-gestützte Lösungen. Doch trotz dieser technischen Fortschritte bleibt Skepsis gegenüber der Datenverwendung bestehen. Verbraucherschützer raten, Datenschutzbestimmungen genau zu prüfen und sicherzustellen, dass persönliche Daten geschützt bleiben.