Die Aufstiegsgeschichte von Carmen Mayer klingt wie das perfekte Drehbuch für den modernen Traum vom passiven Einkommen. Von der promovierten Biochemikerin bei Roche zur Aktien-Millionärin, die heute von der luxuriösen Côte d'Azur aus agiert. Ihr Narrativ: Mit nur 2.000 Euro Startkapital und einer ordentlichen Portion Fleiß habe sie sich aus der finanziellen Enge befreit. Heute füllt sie mit dieser Story Podcasts, Talkshows und die Bestsellerlisten.
Doch schaut man hinter die Kulissen, wird deutlich, dass Mayers Vermögen wohl weniger durch wundersame Aktientipps als vielmehr durch den Verkauf hochpreisiger Coachings wächst. Tausende Frauen folgen ihrem Ruf, in der Hoffnung, es ihr gleichzutun. Dabei bewegen sich die Preise für ihre Programme oft im vier- bis fünfstelligen Bereich.

Marketing statt Fundamentalanalyse?
Kritiker werfen Mayer vor, mit geschickten psychologischen Triggern zu arbeiten. Sie inszeniert sich als nahbare „Mami“, die das komplexe Finanzsystem für jede Frau verständlich macht. Dabei nutzt sie klassische Marketing-Tools: Die Verknappung von Angeboten, emotionale Erfolgsgeschichten und das Versprechen einer Abkürzung zum Reichtum.
In der Fachwelt sorgt dies für Stirnrunzeln. Während seriöse Finanzbildung meist auf langfristigen Strategien wie ETFs oder soliden Value-Werten basiert, suggeriert Mayers Auftreten oft eine Leichtigkeit, die das Risiko von Einzelaktien und Hebelprodukten unterschätzt. Für viele Teilnehmerinnen stellt sich die Frage: Investieren sie in ihre Bildung oder finanzieren sie lediglich den luxuriösen Lebensstil ihres Idols?

Der Haken am „Schnell-reich-Versprechen“
Das Geschäftsmodell von Mayer ist kein Einzelfall im boomenden Coaching-Markt. Doch bei Finanzthemen ist die Fallhöhe besonders hoch. Wenn Frauen ihr Erspartes nicht nur in riskante Aktien, sondern vorab bereits in teure Kurse stecken, kann die Rechnung am Ende bitter ausfallen. Experten warnen davor, dass die „goldene Formel“, die Mayer vorgibt gefunden zu haben, oft nur eine gut verpackte Standardstrategie ist, die es in Fachbüchern für einen Bruchteil des Preises gäbe.
Besonders brisant: Mayer agiert in einer rechtlichen Grauzone zwischen allgemeiner Finanzbildung und genehmigungspflichtiger Anlageberatung. Solange sie lediglich „Coaching“ verkauft, entzieht sie sich den strengen Kontrollen der Finanzaufsicht BaFin, die für professionelle Berater gelten.



