17. Februar, 2026

Unternehmen

Zwei deutsche Traditions-Werke vor dem Todesstoß – Droht jetzt das Fabrik-Sterben?

Trotz eines brutalen Sparkurses verfehlen alle deutschen Autowerke ihre Kostenziele für 2025. Für die Standorte Emden und Zwickau beginnt jetzt ein gnadenloser Countdown: Sollten die Zahlen bis Ende 2026 nicht stimmen, droht das endgültige Aus.

Zwei deutsche Traditions-Werke vor dem Todesstoß – Droht jetzt das Fabrik-Sterben?
Droht das Aus für VW-Standorte? Das Sparprogramm zeigt nicht die gewünschte Wirkung. Bis Ende 2026 fällt die endgültige Entscheidung.

Die Idylle der deutschen Automobil-Landschaft zerbröckelt vor den Augen der Weltöffentlichkeit. Bei Volkswagen brennt die Hütte lichterloh. Wie aus internen Konzernkreisen durchsickert, haben im vergangenen Jahr sämtliche deutschen Fahrzeugwerke die strengen Fabrikkostenziele gerissen. Es ist eine Hiobsbotschaft für die Zehntausenden Beschäftigten, die bereits seit Ende 2024 um ihre Existenz bangen. Zwar beteuert das Management offiziell, man sei auf einem „guten Weg“, doch die nackten Zahlen sprechen eine Sprache der Krise und des drohenden Niedergangs.

Besonders dramatisch ist die Lage an den Standorten Emden und Zwickau. Diese Werke galten schon während der eskalierten Tarifverhandlungen im Herbst 2024 als Streichkandidaten. Nur durch massive Zugeständnisse der Gewerkschaft IG Metall und des Betriebsrats konnte der absolute Kahlschlag in letzter Sekunde verhindert werden. Man hat sich Zeit erkauft – doch diese Zeit rinnt den Standorten nun wie Sand durch die Finger. Die Zukunftsfrage ist keineswegs geklärt, sie wurde lediglich auf das Ende des Jahres 2026 vertagt.

Die Nervosität in den Werkshallen ist greifbar. Während der Konzern nach außen hin Optimismus versprüht, wächst intern der Unmut über die Intransparenz der Führungsebene. Es herrscht das Gefühl vor, dass hier ein schleichender Prozess der Abwicklung moderiert wird, bei dem am Ende nur die Stärksten überleben dürfen. Die „German Angst“ hat eine neue Adresse: Die Postleitzahlen der gefährdeten VW-Fabriken.

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Der bittere Überlebenskampf in Ostfriesland und Sachsen wird zur Existenzfrage

In Emden steht alles auf dem Prüfstand. Der Standortvorsitzende Manfred Wulff fand zuletzt gegenüber der Regionalpresse deutliche Worte für den Ernst der Lage. Er mahnte, dass man sich lediglich „zwei Jahre Zeit erkauft“ habe. Diese Frist muss nun genutzt werden, um die Kosten radikal zu drücken. Ob das prestigeträchtige Nachfolgemodell des vollelektrischen ID.4 ab dem Jahr 2031 tatsächlich in ostfriesischer Erde produziert wird, ist völlig offen. Es ist ein Spiel mit dem Feuer, bei dem die Existenz ganzer Familien auf dem Spiel steht.

Ähnlich düster sieht es in Zwickau aus. Das sächsische Werk, einst als Leuchtturm der Elektromobilität gefeiert, kämpft mit einer erschreckenden Unterauslastung. Im Jahr 2025 rollten dort nur noch etwa 210.000 Fahrzeuge vom Band – ein massiver Rückgang im Vergleich zu den fast 250.000 Einheiten im Jahr 2023. Die Prognosen für die kommenden Jahre verheißen wenig Besserung. Dass Zwickau nun zusätzlich Aufgaben im Recycling übernehmen soll, wirkt für viele Kritiker wie ein schwacher Trostpreis für einen Standort, dem die Kernkompetenz – der Autobau – langsam entzogen wird.

Die Stimmung unter den Arbeitern ist am Gefrierpunkt. Viele fühlen sich vom Management im Stich gelassen, das zwar Einsparungen fordert, aber keine stabilen Auslastungsszenarien liefert. Die Fabrikkosten sind schlicht zu hoch für den globalen Wettbewerb, in dem Tesla und chinesische Hersteller mit aggressiven Preisstrukturen den Ton angeben. Wenn Zwickau und Emden nicht liefern, rückt der „Todesstoß“ in Form einer Werksschließung unweigerlich näher.

Wolfsburg feiert den Gamechanger während die Provinz am Abgrund steht

In krassem Gegensatz zur existenziellen Not in der Peripherie steht das Stammwerk in Wolfsburg. Hier wird bereits der „Gamechanger“ vorbereitet – der vollelektrische ID.Golf. Die Konzernführung plant massive Investitionen in neue Fertigungstechnologien wie das sogenannte Großguss-Verfahren, um Wolfsburg zum modernsten Autowerk der Welt zu machen. Diese ungleiche Behandlung der Standorte sorgt intern für gewaltigen Zündstoff. Während die kleinen Werke um jede Schicht kämpfen, wird im Stammhaus das Geld für die Zukunft verbaut.

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Markenchef Thomas Schäfer und Finanzchef David Powels agieren in diesem Spannungsfeld äußerst vorsichtig. In internen Runden halten sie detaillierte Leistungsdaten oft unter Verschluss, um den Neid und die Angst zwischen den Werken nicht weiter zu befeuern. Doch die Basis lässt sich nicht so leicht beruhigen. Ein Insider kritisierte die mangelnde Vergleichbarkeit scharf: „Wir haben ein Recht darauf, zu wissen, wo wir stehen“, zitiert das Handelsblatt eine anonyme Stimme aus dem Konzern. „Dazu gehört auch ein fairer Vergleich.“

Doch Fairness ist in Zeiten von harten Sparzwängen ein rares Gut. VW muss bis zum Ende des Jahrzehnts jährlich rund 15 Milliarden Euro an Kosten einsparen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Dass dabei nicht alle Standorte über die Ziellinie kommen werden, ist ein offenes Geheimnis in der Wolfsburger Konzernzentrale. Die Fabrikkosten machen zwar nur einen Teil der Gesamtrechnung aus, doch sie sind der Hebel, an dem das Schicksal tausender Arbeitsplätze hängt.

Das 15 Milliarden Euro Spar-Diktat lässt keinen Raum für Sentimentalitäten

Der wirtschaftliche Druck auf Volkswagen ist monströs. Trotz einer überraschend guten Kassenlage Ende Januar 2026 – der Netto-Cashflow belief sich auf rund sechs Milliarden Euro – bleibt die langfristige Prognose düster. Der Konzern muss investieren, transformieren und gleichzeitig sparen wie nie zuvor in seiner Geschichte. In diesem brutalen Dreiklang werden die Fabrikkostenziele zum scharfen Schwert des Vorstands. Wer die Vorgaben reißt, liefert dem Management die Argumente für die nächste Kündigungswelle oder Standortschließung frei Haus.

Die Einigung mit der IG Metall sieht zwar regelmäßige Überprüfungen vor, doch das eigentliche Endgericht findet am 31. Dezember 2026 statt. Bis dahin müssen die Effizienzwerte drastisch steigen. „Wir sind auf einem guten Weg“, wiegelt ein VW-Sprecher ab, verweist aber im gleichen Atemzug auf die Notwendigkeit einer „weiterhin konsequenten Umsetzung“. Übersetzt aus dem Konzern-Sprech bedeutet das: Der Druck auf die Belegschaft wird nicht nachlassen, sondern sich in den kommenden Monaten massiv verschärfen.

Am Ende wird sich zeigen, ob die Marke Volkswagen stark genug ist, um ihre deutschen Wurzeln zu bewahren – oder ob die globale Rendite-Gier am Ende über die Tradition der heimischen Standorte triumphiert. Für Emden und Zwickau brennt das Licht in den Montagehallen zwar noch, doch der Finger des Vorstands ruht bereits gefährlich nah am Ausschalter.

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