Die globale Schifffahrtsindustrie steht vor einer zunehmenden Bedrohung, wie aus dem aktuellen Bericht des Internationalen Schifffahrtsbüros (IMB) hervorgeht. Im Jahr 2023 wurden weltweit insgesamt 137 Angriffe oder versuchte Angriffe auf Schiffe dokumentiert. Dies entspricht einer bedenklichen Zunahme im Vergleich zu den 116 registrierten Vorfällen des Vorjahres. Besonders alarmierend ist dieser Anstieg, da die Anzahl der Vorfälle in den drei Jahren zuvor kontinuierlich niedriger war.
Die im Bericht festgehaltenen Vorkommnisse umfassen die Kaperung von 121 Schiffen durch Piraten sowie die Entführung von vier Schiffen. Weiterhin wurden zwei Schiffe beschossen, und in zehn weiteren Fällen gelang es den Kriminellen nicht, ihre geplanten Angriffe erfolgreich durchzuführen. Trotz der Tatsache, dass viele dieser Vorfälle als „geringfügig“ kategorisiert werden, bleibt die Lage für die Besatzungen an Bord ernst, wie die deutsche Niederlassung des IMB betont.
Ein erheblicher Teil dieser Übergriffe konzentrierte sich auf die Straße von Singapur, die als eine der weltweit wichtigsten Wasserstraßen bekannt ist und einen bedeutenden Anteil am globalen Handel hat. In dieser Region wurden 80 Vorfälle registriert, was 58,4 Prozent der weltweiten Piratenaktivitäten ausmacht. Diese maritime Engstelle ist für ihre hohe Handelsaktivität bekannt und spielt eine entscheidende Rolle im internationalen Warenverkehr, da sie Schauplatz eines Drittels der globalen Handelsströme ist.
Die deutsche Handelsflotte geriet in acht Fällen ins Visier piratischer Aktivitäten. Bemerkenswert ist, dass viele dieser Schiffe unter fremder Flagge fahren, um wirtschaftliche Vorteile zu erzielen. Ein exemplarischer Vorfall ereignete sich im März, als die Besatzung der „Callao Express“ vor der Küste Ecuadors ihre Wachsamkeit und ihre schnelles Reaktionsvermögen unter Beweis stellte. Unbeleuchtete Boote näherten sich dem Schiff, konnten jedoch durch effizientes Manövrieren und Beschleunigen erfolgreich abgeschüttelt werden.
Diese Entwicklung unterstreicht die Notwendigkeit verstärkter Sicherheitsmaßnahmen und internationaler Zusammenarbeit, um die Sicherheit in den weltweiten Gewässern zu gewährleisten. Das IMB ruft dazu auf, bestehende Sicherheitsstrategien zu überdenken und anzupassen, um den Herausforderungen, die durch die zunehmenden piratischen Aktivitäten entstehen, wirksam zu begegnen.