Die Übernahme ist vollzogen und verändert die Eigentumsverhältnisse im deutschen Energiesektor fundamental. Sunoco LP, eine Tochtergesellschaft des US-Konzerns Energy Transfer, hat den Erwerb des deutschen Terminalbetreibers TanQuid am 16. Januar 2026 erfolgreich abgeschlossen. Die Transaktion wäre unter normalen Marktbedingungen eine Standardmeldung, birgt jedoch erhebliche geopolitische Sprengkraft.
Hinter dem Mutterkonzern Energy Transfer steht der US-Milliardär Kelcy Warren. Warren ist nicht nur CEO, sondern auch ein prominenter Großspender der „Make America Great Again“-Bewegung und gilt als enger Vertrauter von US-Präsident Donald Trump. In einer Phase angespannter transatlantischer Beziehungen – geprägt von US-Zollandrohungen und geopolitischen Alleingängen – wechselt damit kritische Infrastruktur in den Einflussbereich eines Trump-Loyalisten.

Der Zukauf umfasst ein Fünftel der nationalen Tanklagerkapazitäten
TanQuid ist der größte unabhängige Terminalbetreiber der Bundesrepublik. Zum Portfolio, das nun unter der Kontrolle von Sunoco steht, gehören 15 Terminals in Deutschland sowie ein Standort in Polen. Die Marktmacht des Unternehmens ist beträchtlich.
Analysten verweisen darauf, dass Sunoco durch diesen Deal rund 20 Prozent der gesamten deutschen Tanklagerkapazitäten kontrolliert. Dies ist eine kritische Größe für die Versorgungssicherheit der Mineralölindustrie. Hinzu kommen über 1000 Kilometer Pipelines, die strategisch relevante Knotenpunkte der Energieversorgung verbinden.
Sunoco selbst kommuniziert die Akquisition als logischen Schritt zur Erweiterung der eigenen Europa-Präsenz. Aus der Perspektive der nationalen Souveränität bedeutet dies jedoch, dass Entscheidungsgewalt über deutsche Verteilernetze nun in Dallas, Texas, liegt.
Die Übernahme tangiert direkt die Versorgung militärischer Stützpunkte
Neben den zivilen Lagerstätten beinhaltet der Deal eine Komponente von höchster sicherheitspolitischer Relevanz. TanQuid managte bisher eine Fernleitungs-Betriebsgesellschaft und hält nun unter Sunoco-Führung 49 Prozent an dieser Infrastruktur. Diese Pipelines sind für die Einsatzfähigkeit der Luftwaffe essenziell.
Konkret werden über diese Leitungen Kerosinlieferungen an deutsche Militärflugplätze abgewickelt. Betroffen sind unter anderem der Fliegerhorst Büchel, Lagerort US-amerikanischer Atomwaffen, sowie der Fliegerhorst Neuburg, von dem aus Eurofighter zur Sicherung des deutschen Luftraums starten.
Jacopo Maria Pepe von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) bewertet den Vorgang als „politisch hochbrisant“. Dass militärische Infrastruktur, die für die operative Luftverteidigung notwendig ist, nun signifikant einem US-Unternehmen gehört, schafft neue Abhängigkeiten.

Berlin genehmigte den Deal trotz Warnungen nur unter Auflagen
Das Bundeswirtschaftsministerium prüfte die Transaktion im Vorfeld auf eine mögliche Beeinträchtigung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit. Trotz der offensichtlichen Sensibilität gab das Ministerium grünes Licht, verknüpfte die Erlaubnis jedoch mit „strengen Auflagen“. Diese sollen eine durchgängige Versorgung mit Lagerkapazitäten sicherstellen.
Die Entscheidung stößt auf scharfe Kritik. Michael Kellner, Energiepolitiker der Grünen, bezeichnete den Schritt als „völlig unverständlich“. Er warnte davor, die Abhängigkeit von den USA weiter zu vergrößern, anstatt sie zu reduzieren. Infrastruktureinrichtungen dieser Art sollten nicht in der Hand ausländischer Mächte liegen.
Auch Nina Noelle von Greenpeace kritisierte, die Bundesregierung habe alle sicherheits- und klimapolitischen Bedenken ignoriert, indem sie kritische Infrastruktur an einen fossilen US-Konzern übergab. Die langfristigen Konsequenzen dieser Eigentumsverschiebung dürften die deutsche Energiepolitik noch lange beschäftigen.

