28. Januar, 2026

Märkte

Yen-Wende: Japan und USA bereiten historischen Markteingriff vor

Die New Yorker Fed führt bereits „Rate Checks“ durch. Eine gemeinsame Intervention wäre der erste Schritt dieser Art seit 15 Jahren – doch die Risiken für die Bank of Japan sind immens.

Yen-Wende: Japan und USA bereiten historischen Markteingriff vor
Historische Wende: Fed führt Rate Checks durch. Japan und USA könnten erstmals seit 15 Jahren gemeinsam am Devisenmarkt intervenieren.

Die Signale am Devisenmarkt verdichten sich zu einem Szenario, das Investoren seit über einem Jahrzehnt nicht mehr erlebt haben: eine konzertierte Intervention Japans und der USA. Nach elf Monaten eines kontinuierlichen Abwärtstrends des Yen scheint Tokio die diplomatische und operative Unterstützung Washingtons gesichert zu haben.

Berichte über sogenannte „Rate Checks“ durch den einflussreichen New Yorker Ableger der US-Notenbank Fed haben die Märkte in Aufruhr versetzt. Diese Maßnahmen gelten als direkte operative Vorstufe zu tatsächlichen Stützungskäufen.

Die Fed leitet verdeckte Vorstufen einer Marktintervention ein

Bei diesen „Rate Checks“ fragen die Währungshüter aktiv die aktuellen Wechselkurse bei Geschäftsbanken ab. Dies dient nicht der Informationsbeschaffung, sondern signalisiert den Marktteilnehmern unmittelbare Handlungsbereitschaft. Eine gemeinsame Intervention Japans mit den USA fand zuletzt vor 15 Jahren infolge der Nuklearkatastrophe von Fukushima statt.

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Die psychologische Wirkung dieser Maßnahme zeigte sich sofort. Der Yen wertete gegenüber dem US-Dollar deutlich auf und notierte am Montag bei bis zu 153,31 Yen, nachdem er am Freitag noch die Marke von 159 Yen durchbrochen hatte. Auch gegenüber dem Euro legte die japanische Währung von knapp 187 auf unter 182 Yen zu.

Japans Finanzministerin Satsuki Katayama betonte, die Regierung beobachte den Markt „mit einem Gefühl der Dringlichkeit“. Ein Vertreter des Ministeriums bestätigte zudem die enge operative Abstimmung mit den US-Behörden.

Experten sehen den Devisenmarkt in höchster Alarmbereitschaft

Analysten werten die Beteiligung der Fed als signifikante Eskalation. Dorothea Huttanus von der DZ Bank warnt, der Markt befinde sich in „höchster Alarmbereitschaft“. Für sie sind direkte Markteingriffe nun „zum Greifen nah“.

Thu Lan Nguyen, Analystin bei der Commerzbank, unterstreicht die strategische Komponente: „Die Tatsache, dass die Fed ihren japanischen Kollegen zur Seite zu stehen scheint, dürfte eine große Abschreckungswirkung haben.“ Solche verbalen und operativen Drohkulissen sind oft effizienter als der Kapitaleinsatz selbst.

Dennoch bleibt Skepsis angebracht. Nguyen warnt, dass eine Intervention kein Garant für eine langfristige Trendwende sei, solange die fundamentalen Ursachen der Yen-Schwäche fortbestehen.

Stützungskäufe bergen massive finanzielle und strategische Risiken

Für die Bank of Japan (BoJ) ist eine Intervention ein zweischneidiges Schwert. Sie müsste auf Anweisung des Finanzministeriums Währungsreserven nutzen und Dollar gegen Yen verkaufen. Die letzten Eingriffe 2022 und 2024 umfassten ein Volumen von rund 100 Milliarden US-Dollar.

Das Dilemma der Zentralbank ist offensichtlich: Verpufft der Effekt teurer Stützungskäufe, verlieren die Währungshüter an Glaubwürdigkeit, was Spekulationen gegen den Yen paradoxerweise weiter anheizen könnte.

Entscheidend wird daher auch die Fiskalpolitik sein. Premierministerin Sanae Takaichi steht vor Neuwahlen unter Druck. Sollte sie glaubhaft auf schuldenfinanzierte Steuererleichterungen verzichten, könnte dies den Anleihemarkt beruhigen und den Yen stützen – womöglich ganz ohne den riskanten Einsatz von Währungsreserven.

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