Die Börsen haben 2025 ein weiteres Hochjahr hinter sich, trotz Handelskonflikten, geopolitischer Risiken und einer spürbar veränderten US-Wirtschaftspolitik. Getrieben wurde der Aufschwung vor allem von den massiven Investitionen in Künstliche Intelligenz. Doch so eindrucksvoll die Rally war – die Sorge vor einer Blase begleitet sie inzwischen dauerhaft. Eine Umfrage der Bank of America zeigt: Für knapp die Hälfte der globalen Fondsmanager ist eine KI-Blase das größte Extremrisiko.
Strategen sehen keine KI-Blase, aber hohe Erwartungen
Banken und Fondshäuser blicken dennoch gelassen auf 2026. Für sie bleibt KI ein strukturelles Wachstumsthema. Christian Nolting, Chefanlagestratege der Deutschen Bank, spricht von einem „Gamechanger“, der die Weltwirtschaft weiter anschiebt. Michael Heldmann von Allianz Global Investors verweist auf solide Bilanzen und belastbare Geschäftsmodelle der Tech-Konzerne – ein fundamentaler Unterschied zur Dotcom-Ära. Auch UBS-Stratege Maximilian Kunkel sieht kein Umfeld für ein abruptes Platzen: Steigende Zinsen, der klassische Auslöser von Blasen, seien weit entfernt.

Ein weiterer Stabilitätsfaktor: Der Großteil der KI-Investitionen fließt in physische Infrastruktur – vor allem Rechenzentren. Das stützt Bereiche wie Energie, Bauindustrie, Halbleiterausrüstung und Teile des Finanzsektors.
Die Investitionswelle bleibt gewaltig
Allein im Jahr 2026 sollen nach UBS-Prognosen rund 571 Milliarden Dollar in KI fließen. Damit ist klar: Diese Investitionslawine wird nicht nur Tech-Konzerne tragen, sondern breite Teile der Wirtschaft.
Die Mehrheit der Häuser rechnet deshalb erneut mit zweistelligen Aktiengewinnen. Die DWS erwartet für den S&P 500 ein Plus Richtung 7500 Punkte, UBS sieht 7700 Punkte, Deutsche Bank und DZ Bank halten sogar 8000 für möglich – ein Zuwachs von rund 18 Prozent.
Rückenwind durch Staaten und Notenbanken
Neben KI treiben nach Einschätzung der Strategen auch die staatlichen Ausgabenprogramme und die weiterhin lockere Geldpolitik die Märkte. Die Sorgen über den Zollkonflikt der USA mit China haben sich abgeschwächt, die Unternehmenserträge bleiben robust. JP-Morgan-Stratege Tilmann Galler warnt zwar vor hohen Bewertungen, sieht aber keinen zwingenden Grund für eine unmittelbare Korrektur, solange die Gewinne steigen. Die Dekabank rechnet allein für S&P-500-Unternehmen mit einem Gewinnanstieg von zwölf Prozent.
Auch Europa rückt wieder stärker in den Fokus. Staatliche Budgetimpulse und bessere Gewinnperspektiven lassen die Häuser vermehrt Chancen im Euro-Raum sehen.

Die USA bleiben ein Streitpunkt
Umstritten bleibt die Frage, wie stark US-Aktien gewichtet sein sollten. Allianz Global Investors empfiehlt ein moderates Untergewicht – historisch hohe Bewertungen und die Dominanz der USA im MSCI All Country erschweren weitere Überperformance. Mehr Potenzial sehen die Allianz-Strategen in Europa und den Schwellenländern.
DWS und UBS widersprechen: Die Rally sei intakt, Rezessionen nicht in Sicht, und viele KI-Gewinner befänden sich weiterhin in den USA. Zudem sei der KI-Einsatz in den Unternehmen noch in einer Frühphase – ein Argument für weitere Ertragssteigerungen.
China bleibt vor allem im Tech-Bereich ein Sonderfall. UBS sieht dort durch den Aufbau eines eigenständigen KI-Ökosystems ein Gewinnwachstum von rund 37 Prozent.
Schwellenländer starten neu durch
Viele Strategen sehen gerade in den Schwellenländern erhebliches Aufholpotenzial. Nach Jahren stagnierender Gewinne setzten die Unternehmen im MSCI Emerging Markets erst 2024 und 2025 wieder dynamisch zu. Die Bewertungen sind aus Sicht der Dekabank und von UBS attraktiv – und die Wachstumsaussichten solide.
Wie Portfolios 2026 stabiler werden
Die meisten Häuser raten für das kommende Jahr zu einer breiteren Aufstellung. Aktien sollen weiter übergewichtet bleiben – aber mit stärkerer regionaler Diversifikation. Anleihen rücken als Stabilitätsanker zurück: Die DWS bevorzugt europäische Unternehmensanleihen mit guter Bonität, Union Investment und DZ Bank setzen ebenfalls auf Firmenpapiere, weil Unternehmen schneller reagieren können als Staaten.
Gold bleibt die bevorzugte Versicherung. Strategen erwarten, dass die Käufe der Zentralbanken den Preis weiter treiben. Die DWS sieht Potenzial bis 4500 Dollar, UBS empfiehlt eine Gewichtung von etwa fünf Prozent im Depot – als Schutzschild gegen politische und makroökonomische Schocks.



